Prediger Jens Winkler in der Kirche Guttau/Malschwitz

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Rogate/Betet 2. Mose 32, 7-14

Filed under:Allgemein, Predigten, Archiv — Jens am 27.04.2008 gg. 07:55

Gottesdienst in Guttau zum Sonntag Rogate
2. Mose 32,7-14

Rogate” heißt übersetzt “Betet”!
Immer wenn ich an diesen Sonntag im Kirchenjahr denke, werde ich an das Bild von Albrecht Dürer „ Betenden Hände“erinnert .
Eine Nachbildung hat die Großmutter von meiner Tante Elisabeth, die eine Diakonnisse in einen Krankenhaus war und heute ihren Ruhestand mit fast neunzig Jahre im Mutterhaus genießt, in einer schweren Zeit der Krankheit geschenkt bekommen.
Es sollte ihr zum Trost und Aufforderung sein.
Diese Bildnis hat nach ihren Tode lange Zeit bei meinen Eltern in einen Schrank gelegen, bis ich es in meinen Arbeitszimmer wieder aufgestellt habe,
Ein kleines Bild, aber mit soviel Ausdruckskraft und Inhalt, was das Gebet, was das Reden mit Gott für uns in unseren Leben bedeutet.
Wir sollen das Anliegen dieses Sonntags im Kirchenjahr für uns und unsere Gemeinde nicht aus den Augen verlieren!
Im Bezug zum Reden mit Gott bei der Geschichte vom “halsstarrigen Volk Israel”, aus dem unseren heutigen Predigttext stammt, trifft das auch auf die Erstarrung vieler Christen unserer Zeit zu.
Ich würde allzu gerne die Gemeinsamkeiten der Anbetung des goldenen Kalbs durch das Volk Israel und über die Götter und Götzen unserer Tage aufzeigen, vor denen viele allzu oft ihr Herz und vor denen sie die Knie beugen und denen sie auch, wie es das Volk Israel wollte, nachfolgen würden, wenn sie vor uns hergezogen sind (denken wir an die 1. Mai Umzüge in der DDR) und noch herziehen würden. …

Aber in unseren heutigen Text geht es im tieferen Sinn um das Beten, um die Macht der Fürbitte, die hier Mose für sein Volk Israel vor Gott erbittet..
Und es geht darum, dass Gott von seinem Zorn über sein abtrünniges Volk ablassen will und sich umstimmen lässt - wenn wir anfangen mit ihn zu reden im Gebet. -
Aber wie kann das geschehen?

1.Gebet-Was ist das?
Gottes Weg wird da erkennbar, wo Menschen von sich selbst und ihrer Lebenssituation absehen, wo sie die Not anderer Menschen erkennen wollen und helfen wollen:
Die Fürbitte im Gebet für andere lässt Mauern zwischen Menschen und Mauern zwischen Gott und Mensch zusammen fallen.
Denken wir zuerst einmal darüber danach, wie wir heute beten, was wir vor Gott bringen, wie wir bitten und für andere vor Gott eintreten.
Wie Beten wir zu Gott :

a ) Da gibt es die Christen, die vorsichtig und ganz bescheiden mit den Schöpfer beten.
Sie wollen mit ihren Gebet Gott nicht stören.
Er hat doch nach ihrer Meinung sicher genug mit vielen anderen Menschen zu tun, die viel größerem Leid sind, deren Anliegen viel wichtiger und deren Not viel dringender ist als die ihrige Probleme.
Wenn sie gerade so gesund sind, wenn sie ihr Lebensunterhalt bestreiten können und sie eigentlich zufrieden sein sollten… dann wollen sie von Gott nichts weiter verlangen.
Aus dem Vorrecht, Gott wie ein Kind anrufen und bitten zu dürfen, wird bei diesen Menschen die Erfüllung einer Pflicht und Auflage in ihren Glauben.
Aus der Verheißung, dass Gott unser Gebet erhört und Bitten erfüllen will, wird ein demütiges Zurücktreten hinter den anderen, die Gott doch viel nötiger haben.

b) Aber es gibt auch die anderen, die ungeduldigen und fordernden Beter:
“Gott, du musst mir diese Sache gewähren!” -
“Du darfst mich nicht länger im Unglück lassen!” - “Schon lange warte ich auf deine Hilfe für mein Leben!”
Und oft werden diese Gebete von Forderungen an Gott begleitet, die den Wünsche des Einzelnen Nachdruck verleihen soll:
“Wenn ich keine sofortige Antwort erhalte und keine baldige Hilfe bis morgen kommt, dann will ich nicht mehr an dich glauben!” -
“Da ich von dir keine Hilfe zu erwarten habe, werde ich mein Beten einstellen!”
c) Aber auch mit vermeintlichen geistlichen Gaben , wollen manche Gott beeinflussen und ihren Wünschen vorspannen:
“Wenn du mir mein Anliegen erfüllst, dann hast du in mir deinen besten Kirchgänger gewonnen!” -
“Nur dies eine Mal gib mir, was ich von dir möchte, dann werde ich ein besserer Mensch werden!”
Diese Menschen sind nicht nur ungeduldig, was das Ergebnis betrifft, sie versuchen nicht nur Druck in ihren Reden mit Gott auszuüben, sie sind auch eigennützig und bedenken nicht, dass ihr Schicksal verbunden ist mit dem vieler anderer Menschen, die genau wie sie Bitten und Wünsche haben, die wie sie selbst genau dasselbe von Gott erbitten.

Und unsere eigene Not hat immer auch mit den Mitmenschen in unseren Lebensumfeld zu tun!
Wenn einer um sein Wohl bittet, dann kann ein anderer in Schwierigkeiten kommen.
Es ist oft wie in dem Beispiel von den Sommer:
Der Urlauber , der einen erholsamen Urlaub machen will, bittet um Sonnenschein und immer gutes Wetter in der Zeit der Reise, der Bauer wünscht sich Regen, dass die Saat aufgeht und die Ernte wächst.
Nicht, dass wir Gott überhaupt nicht bitten sollen, aber alles und alle hängen miteinander zusammen.
Das sollten wir auch bedenken..

d) Schließlich gibt es noch diejenigen, die ihr Beten aus dem einen oder anderen Grund lange schon aufgegeben haben:
“Gott erhört meine Gebete und meine Lösung nicht”
“Er ist taub und stumm für meine Sache.”
„Ich erhalte von Gott keine Antwort auf meine Fragen“
„Gott scheint fern von mir und meinen Bitten.“
Warum also noch beten? Warum noch Reden mit Gott?
Warum Zeit dafür verwenden, in vermeitliche Leere hinein zu rufen und keine Antwort zu erhalten?
Und manchmal ist auch der Ärger, die Wut und die Verzweiflung über eine schwere Lebenssituation oder ein Unglück beteiligt, das einen in seinen Leben getroffen hat:
“Mit einem Gott, der so etwas zulässt, mit einem Gott, der mir so viel Trauer und Leid in meinen Leben zufügt, der mich durch so ein schweres Lebenstal führt, will ich nichts mehr zu tun haben!”

2. Beten ist Reden und Staunen

Bei Moses aus unseren heutigen Text lernen wir noch etwas anderes.
Er spricht die Gefühle Gottes für sein auserwähltes Volk Israel, für seine Kinder an.
Er zeigt uns einen Weg, das Herz des Vaters zu erreichen.
Wie macht er das?
Vers 11. Mose aber flehte vor dem HERRN, seinem Gott, und sprach: Ach HERR, warum will dein Zorn entbrennen über dein Volk, das du mit großer Kraft und starker Hand aus Ägyptenland geführt hast?

Warum setzen nicht auch wir „Flehen“ also anrufen in der Not im Reden mit Gott im Gebet ein?
Warum sind wir uns denn zu gut, den “Vater” auch einmal anzurufen und anzubetteln, , wie es die Kinder tun - und wie wir es in unserer Kindheit vielleicht selbst mit unserem Eltern, mit den Vater getan haben, um etwas, in unseren Augen wichtiges, zu erreichen?

Aber Mose hat geht noch weiter:
Vers 12. Warum sollen die Ägypter sagen: Er hat sie zu ihrem Unglück herausgeführt, dass er sie umbrächte im Gebirge und vertilgte sie von dem Erdboden?
Hier wird doch Gottes Handeln an seinen Volk angesprochen!

Mose tut, als stünde hier Gottes Ehre auf dem Spiel und als machte er sich jetzt vor den Ägyptern lächerlich, die er doch erst seinen gewaltigen Arm hat spüren lassen!
Bei manchen ist eine solche Art zu Denken mit Schwierigkeiten verbunden.
Ist das nicht völlig unangemessen, so mit Gott umzugehen?
Ist er denn ein Mensch, dass er von solchen Dingen wie Stolz und Ehre beeinflusst werden kann?
Ich denke eine unserer Hauptschwierigkeit mit Gott als unseren Gegenüber umzugehen ist es, das wir es erkennen und im Glauben erfahren müssen, dass Gott unser Vater sein will! -
Wie hat uns Jesus zu beten gelehrt: “Vater unser…”
Wie hat er selbst zu unserem Gott gesagt: “Abba, lieber Vater!”
Und wie stellt er uns Gott in seinen Gleichnissen und Geschichten immer wieder vor?
Im Gleichnis von den verlorenen Sohn lesen wir davon , das der Vater trotz all seines Versagens schon mit ausgebreiteten Armen erwartet?
Warum wollen und können wir oft nicht glauben, dass Gott seinen Nachfolgern im Glauben gegenüber wie ein Vater sein will?
Warum erkennen wir seine Liebe für uns oft nicht und dass er sich umstimmen lassen könnte?
Wie hieß das in unseren heutigen Predigttext:
Und nun lass mich, dass mein Zorn über sie entbrenne und sie vertilge…
Passt das Zornig-Werden nicht auch gut zu Gott, dem “Vater”?
Und wenn Mose nun im Text entgegnet:
Gedenke an deine Knechte Abraham, Isaak und Israel, denen du bei dir selbst geschworen und verheißen hast…
Kommt da uns nicht der Gedanken auf, dass Gott, als Vater seiner Menschen, auch einmal erinnert werden muss an die Verheißungen und Zusagen, die er den Kindern, seinen Volk, versprochen hat?
Und schließlich rundet sich das Bild vom “Vater” im Himmel, wenn es am Ende im Text heißt:
Da gereute den HERRN das Unheil, das er seinem Volk zugedacht hatte.

3. Wie können wir beten?

Wie kann also ein Gebet aussehen, dass die Fürbitte und das Flehen des Mose hier aus unseren heutigen Text zum Vorbild nimmt?
Ein solches Beten, ein solcher Beter rechnet damit, dass Gott wie der Vater im Elternhaus auch Gefühle und Liebe hat, dass er Zorn und Traurigkeit kennt, dass er enttäuscht ist über seine Kinder, die sich von ihm abwenden, dass er sich aber auch freuen kann, wenn sie zu ihm zurückkehren.
Vielleicht ist es überhaupt gut, an unseren menschlichen Vater oder den Eltern überhaupt zu denken, wenn wir mit unseren Bitten im Gebet vor Gott kommen.
Nicht dass wir uns damit ein Bildnis von Gott geben, aber doch die Wärme, die Liebe und die Empfindungen für uns darin deutlich machen, die wir in unseren Elternhaus empfangen haben..
Das kann uns in Zeiten der Not und Anfechtung helfen, ihn auch so anzusprechen, wie er es haben will:
Dass wir ihn ruhig auch einmal erinnern, was er uns doch zugesagt hat, dass wir uns auf unsere Taufe und den Glauben berufen, wo er uns seinen Segen und seine Begleitung und Führung durch das Leben versprochen hat.
Dann dürfen wir auch damit rechnen, dass Gott sich wie ein Vater auch einmal von unseren Tränen, unseren Bitten oder unserem Dank bewegen lässt, dass es ihn sogar gereuen kann, was er doch eigentlich mit und an uns tun wollte, wenn wir seine Wege mit uns verlassen haben.

In unseren Predigttext lesen wir, was das Volk Israel seinem Gott angetan hat:
Sie haben sich ein gegossenes Kalb gemacht und es angebetet und ihm geopfert und gesagt:
„Das ist dein Gott, Israel, der dich aus Ägyptenland geführt hat.“
Selbst eine solche Sünde will der Gott Vater verzeihen! Kann es denn dann etwas geben, was uns Gott nicht vergeben, nicht schenken will, wenn wir ihn nur recht bitten um Vergebung , wie Kinder den Vater bitten?
So, wie wir sind, mit unseren Worten zu Gott reden, ohne Angst, denn schon beim Gebet haben wir Gott, unseren Schöpfer an unserer Seite:
“Desgleichen hilft auch der Geist unsrer Schwachheit auf. Denn wir wissen nicht, was wir beten sollen, wie sich’s gebührt; sondern der Geist selbst vertritt uns mit unaussprechlichem Seufzen.” (Römer 8, 26)
Lernen wir neu zu Beten wie es uns Mose lehrt:
Nicht ungeduldig und eilig,
nicht mit Druck oder gar Erpressung,
aber doch in der festen Gewissheit, dass Gott wie ein Vater fühlt und liebt, dass ihm auch der Zorn nicht fremd ist, dass er aber auch erinnert werden will, was er uns versprochen hat.
Und vergessen wir vor allem nicht, dass ehrliches Bitten erreichen kann, dass Gott von dem ablässt, was er für uns bestimmt hat, in unseren verkehrten Wegen und unsere Bitten und Wünsche erfüllt - eben wie ein Vater.
Manchmal entdecken wir im Gebet auch einen neuen, gangbaren Weg für unser Leben, der uns weiterhilft.
Manchmal hilft uns das Gebet auch nur dazu, unsere schwierige Situation im Leben auszuhalten und auch darin Trost zu erfahren, ohne auf Abwege im Glauben und im Leben zu geraten.

Die Hilfe des Gebets erfahren wir allerdings nicht außerhalb des Gebets.
Darum ist die Praxis, das Tun und Bleiben im Gebets so wichtig.
Deshalb versammeln sich auch Menschen in unserer Gemeinde zu einen Gebetskreis am Donnerstag in Malschwitz im Pfarrhaus.
Diese Gebetsgemeinschaft stärkt unser Glauben und Vertrauen auf Gottes Hilfe.
Wir fassen neuen Mut und Glaubenshoffnung..
Wir achten auf Zeichen der Hilfe Gottes in unserem täglichen Leben und werden sie finden:
a)In einem Bibelwort wie die täglichen Losung
der Herrnhuter Brüdergemeine, das uns Halt geben
b) in einem Telefonanruf von einem Freund und Bruder , der uns in schwierigen Situationen aufrichtet.
c) in einen persöhnlichen Wort der Hilfe
Es gibt so vieles, mit dem Gott uns durch Durststrecken und schwierigen Lebenssituationen, die vermeitlichen Wüsten unseres Lebens, hindurch hilft und trägt.
Nehmen wir also Gott ernst und reden wir mit ihm in unseren Glauben über uns.
Er nimmt uns ernst und hört auf uns.
Er ist offen für unser Bitten und Flehen.

Amen!

Das gesprochene Wort gilt!

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