- Prediger Jens Winkler in der Kirche Guttau/Malschwitz - -

Jägergottesdienst in Guttau am 23.10.2011

Geschrieben von Jens am 23rd October 2011 @ 07:40 in Allgemein, Predigten | Keine Kommentare

Jägergottesdienst in Guttau am 23.10.2011
Gnade sei mit Euch und Friede von Gott unseren Vater und den Herren Jesus Christus.

Was hülfe es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewönne und nähme doch Schaden an seiner Seele?
Matthäus 16, 26 a

Waidmanns-Heil ! Waidmann-Heil!
Das ist Gruß den ich mein Jagdfreund gestern Abend nach einer erfolgreichen Jagd gewünscht habe.
Waidmann-Heil ist der Gruß der Jäger untereinander, wenn sie auf den Ansitz zur ihren Jagdkanzeln gehen.
Manche hohe Kanzel draußen im Revier ist jahrelang Ausgangspunkt jagdlichen Erlebens,
Dreh- und Angelpunkt des vieler Stunden.
Nicht anders ist es mit der Kanzel hier über den Altar in der Kirche in Guttau.
Sie ist der Ausgangspunkt gemeindlichen Hörens auf Gottes Wort , Dreh- und Angelpunkt der Feier eines jeden Gottesdienstes.
Wer auf ihr den Platz einnimmt und darauf steht, von dem erwartet man, dass er die Dickungen unseres Alltagslebens, aber auch die Schneisen und Täler unserer Lebenspunkte und Festtage sicher anspricht und das Ziele anzeigt.
Ein Höhepunkt jagdlichen Erlebens gerade jetzt in dieser Herbstzeit ist die Feier der Hubertus-Messe als Jägergottesdienst hier gemeinsam mit der Gemeinde, den Landeinbringern der Jagdgenossenschaft und den Jägern.
Jägergottesdienst ist Erntedankfest der Jäger. Das sieht heute auch an der festlich geschmückten Kirche.
Wie das Ansitzen auf hoher Jagdkanzel,
so fordert und bietet der heutige Gottesdienst
in der Kirche gleichzeitig die notwendige Ruhe,
weitet den Blick für die wichtigen Dinge des Lebens
und gibt Zeit und Raum zum Nachdenken über das jagdliche Handeln und des eigenen Lebens .
Gleichzeitig soll hierbei auch eine Standpunktfestlegung und Besinnung stattfinden.
Eine Besinnung auf den wesentlichen Mittelpunkt im Leben eines jeden Einzelnen von uns.
Eine Besinnung, eine Rückbesinnung darauf,
das wir als Menschen einmal ein jeder von uns Rechenschaft vor Gott über die unseres Leben abgegeben müssen.
Eine Besinnung besonders für uns Jäger,
die oftmals nach einer erfolgreichen Jagd meinen,
dass wir alle Probleme und Kämpfe im Leben allein lösen und uns darin über alles erheben können.
Getreu der Meinung:
Der Mensch als alleinige Krone der Schöpfung.
Der Mensch als alleiniger Maßstab aller Dinge.
Ein Volksspruch lautet::
Leben bedeutet ständiger Träume und ständige Kampf.
Für mich ist dieses Spruch ein Ausdruck unser menschliches Verhalten,
auch ganz besonders für unser männliches Verhalten
- wie es auch in der Hubertuslegende deutlich wird.
Wenn wir erwachsen werden, ist das Leben kein Spiel, aber unsere geheimen Träume bleiben.
Wir träumen uns hinein in eine Welt der Vorstellungen und ein Leben in Reichtum und Wohlstand. Tagträume.
Manchmal eben auch von einer erfolgreiche Jagd schon beim Ansitz.
Solche Träume hatten auch die Jünger Jesu,
als sie sich auf den Weg der Nachfolge mit ihm machten.
Einige waren im Beruf einfache Fischer am See Genezareth gewesen.
Jesus hatte sie zu Menschenfischern gemacht.
Jetzt träumten sie vermutlich davon,
ihm machtvoll zur Seite zu stehen,
wenn er als der neue König in Jerusalem einzieht.
Doch Jesus musste sie einstimmen auf das,
was wirklich kam – eine bittere Zeit des Leidens.
Auf die Ereignisse am Karfreitag!
Die Jünger reagierten mit Unverständnis.
Auch Petrus widersprach.
Doch Jesus fragte in die Runde der Jünger::
„Was hülfe es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewönne und nähme doch Schaden an seiner Seele?“
Jesus stellte damals und damit auch uns heute hier die Schlüsselfrage für alle.
Durch welches Verhalten nehmen wir Menschen Schaden an unserer Seele, unseren Sein?
Was kann unseren Leben eine dauerhafte Heilung bringen?
In der Hubertuslegende gibt es zu der Beantwortung dieser Frage eine Schlüsselszene.
Die Legende des Heiligen Hubertus wird mit den verschiedenen Versionen überliefert.
In einer heißt es
“Als einst Hubert , der als reicher Mann an einen Hofe diente, an einem Karfreitag zur Jagd zog,
warnte ihn seine Gattin und flehte ihn dringend an,
den Todestag des Herrn Jesus nicht durch sein Handeln zu entweihen.
Er schien von der Warnung seiner Gattin gerührt, dennoch siegte die Jagdlust.
Er sprengte durch Wald und Busch, durch Wiesen und Gründe und verfolgte einen prächtigen Hirsch.“
Ich unterbreche hier die Legende an dieser Stelle für eine eigene Feststellung.
Es ist nicht nur bei Hubertus, es ist bei uns allen ein schmaler Grat zwischen Jagdleidenschaft und brennendem Jagdfieber.
Es ist ein schmaler Grat zwischen Mut und Übermut.
Es ist ein schmaler Grat zwischen dem Einsatz eigener Stärke und eigener Talente
das in einem tödlichen Zweikampf enden kann.
Es ist ein schmaler Grat zwischen der Gabe,
andere Menschen zu leiten und zu führen,
und der Versuchung, sie zu beherrschen und zu verführen.
Es ist ein schmaler Grat zwischen dem Wunsch,
der Gemeinschaft zu dienen und ihre Gebote zu bewahren,
und dem Drang, gerade diese Gebote zu brechen,
sich über die Gebote zu stellen, um des eigenen Vorteils willen.
Jesus fragt seine Jünger dort :
„Was hülfe es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewönne und nähme doch Schaden an seiner Seele?“

Es ist keine wirkliche Frage an unsere eigene Lebenseinstellung ,
sondern die Frage ist auch schon die Antwort dazu.
Jesus sagt Nein!
Es hilft nichts, die ganze Welt zu gewinnen.
Es hilft nichts, alles in der Jagd alles hineinzulegen um vor den anderen damit zu prallen,
wie einzigartig man darin ist.
Das würde unser Leben auch noch nicht sinnvoll und erfüllt machen.
Wir müssten über uns hinauswachsen
– hin zu unserer wahren Bestimmung, die in der Schöpfung bei Gott liegt.
Und das geht wohl nur,
wenn wir nicht die Welt in ihrer sich wechselnden Vorstellungen über den Sinn des Lebens gewinnen,
und auch nicht einen Zweikampf zwischen Mensch und Mensch, oder zwischen Mensch und Tier.
Es geht wohl nur, wenn wir von Zeit zu Zeit Abstand zu uns selber und zu unserem eigenen Tun gewinnen.
Besinnung und Neuanfang nach Erkenntnis wagen.
In der Bibel können wir von solchen“Auszeiten“ lesen.
In biblischer Zeit war die Wüste der richtige Ort, um Abstand zu gewinnen.
40 Tage ging Elia durch die Wüste.
Am Endes des Weges war er innerlich bereit,
Gott ganz anders zu sehen als er es sich erdacht hatte.
Jesus selber fastete 40 Tage in der Wüste und erlernte, dass man allen Versuchungen widerstehen kann.
Indem wir uns zurückziehen und sei es manchmal auf eine Jagdkanzel im Mondschein zum Ansitz,
indem wir Abstand zu uns selber gewinnen,
zu dem, was uns durch innere Unruhe umher treibt und belastet in unseren Leben,
und eben manchmal auch unseren Verstand vernebelt. Da entdecken wir plötzlich, das es uns gelingt,
von außen auf uns selber zu schauen und uns auch zu entdecken in unseren sein..
Der Impuls für diesen Blickwechsel – das Erschrecken über das eigenen Tun - muss wohl von außen kommen.
Wie bei Hubertus.
In der Hubertuslegende heißt es weiter:
„Als er dem Hirsch nahe kam und schon den Bolzen der Armbrust nach dem Tiere abdrücken wollte,
bleibt derselbe plötzlich stehen, wendet sich nach dem Jäger, und mitten in seinem Geweih erscheint ein strahlendes Kreuz.
Eine klagende Stimme ertönt:
‘Hubertus, ich erlöste dich und dennoch verfolgst du mich!’
Hubert erschrickt und erbebte bei diesen Anblick und Satz, warf seine Waffe von sich und flehte innig zu Gott um Erbarmen.
Darauf baute er sich eine Hütte aus Baumzweigen und Schilf und führte, von der Welt geschieden, in stiller Waldeinsamkeit ein bußfertiges, abgetötetes Leben.”
Hubertus findet in der Abgeschiedenheit eines Wald zu weider sich selbst.
Diese Begegnung mit Gott am Karfreitag, den Sterbetag Jesu am Kreuz auf Golgatha für unsere Schuld und Sünde, führte dazu,
dass er sein Leben wirklich veränderte.
Später wurde er ein bedeutender Bischof seiner Zeit.
Wie das bei Legenden so ist, sie sind Ausdruck erzählerischer Kunst und gleichzeitig immer auch Ausdruck von Wahrheit.
Aber mit der Jagd muss er weiter verbunden geblieben sein, sonst würden wir uns heute nicht seiner gedenken las Schutzheiliger der Jäger..
Die Legende wird teilweise sehr verschieden erzählt.
Wie es wirklich damals gewesen ist,
das müssen wir auch nicht wissen ,
wenn wir nach der inneren Wahrheit dieses Geschehens fragen - heute hier in diesen Gottesdienst in dieser Gottesdienstgemeinde,
in der sich viele über die Jagd verbunden wissen und damit die große Schöpfung Gottes in der Natur entdeckt haben..
Ich denke, das wichtigste vor allen für uns heute ,
was in diese Geschichte uns vor Augen gestellt wird, ist, dass das Kreuz Jesu mit der Tier verbunden wird und uns zum Zeichen dienen soll.
Als ein Ereignis, als ein wichtiges Geschehen für die Menschen war das Kreuz in seiner Bedeutung aus der Bibel von Golgatha her bekannt.
Man wusste, es geht hier um Gottes Handeln an uns Menschen als seine Schöpfung
und um unsere Tat der Erlösung aus der Macht der Sünde und des Todes.
Die Legende des Hubertus machte deutlich,
dass das Kreuz, das Zeichen des Leidens von Golgatha am Karfreitag her,
das Zeichen des zerbrochenen Lebens durch Jesu sein Tod,
aber auch das Zeichen der Hoffnung durch seine Auferstehung auf neues ausgesprochen wird.
In der Hubertuslegende steht ein Mensch einem Tier gegenüber.
Er will sich nehmen, was er meint, was ihm zusteht.
Der Mensch als Krone der Schöpfung darf sich nehmen, was er will.
„Machet euch die Erde untertan, herrscht über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über das Vieh und über alles Getier, das auf Erden kriecht.“
So heißt es doch im ersten Schöpfungsbericht .
Und so haben die Menschen ja über viele Jahrhunderte hinweg gehandelt.
Erst im letzten Jahrhundert ist die Frage nach dem sorgsamen Umgang mit der Natur und den Tieren in die Ferne gerückt.
Alles war seitdem scheinbar erlaubt, alles war machbar,
wir waren die Herren der Welt.
Heute spüren wir längst die Folgen, die wir in den kommenden Jahrzehnten und Jahrhunderten zu tragen haben.
Die Legende des Hubertus macht deutlich:
Wo wir Menschen der Natur und damit auch den Tieren des Waldes gegenüber stehen, stehen wir dem Angesicht Gottes gegenüber.
Unser Handeln an den Tieren steht in Beziehung zu Gottes Handeln mit uns,
das im Kreuz Jesu seinen bedeutsamsten Höhepunkt hat.
Hubertus wusste sich plötzlich in seinem Handeln nicht mehr nur sich selber gegenüber verantwortlich, sondern auch Gott.
Sein Wunsch, dieses Tier für sich erlegen zu wollen an diesen Karfreitag ,
wurde durch die Begegnung mit dem Kreuz in Frage gestellt. Lebensfragen wie:
Bin ich der Herr der Welt?
Kann und darf ich mir nehmen, was ich mir nehmen kann, darf ich tun, was ich tun kann?
Ist das Hirsch , ist die Natur nur ein Objekt, über das ich als Mensch frei verfügen kann?
Das Kreuz im Geweih des Hirsches gibt eine Antwort,
die auch heute noch bestand hat.
Es zeigt die Grenzen der Macht des Menschen,
es zeigt die Liebe Gottes, die auch dem Tier zugewandt ist,
es zeigt, wer der Herr ist und Schöpfer in dieser Welt.
Das Leben des Hubertus und damit auch sein Lebensinhalt wurde angesichts dieser Begegnung in Frage gestellt.
Es wurde umgekrempelt und verändert.
So wie das Leben eines Einzelnen in der Begegnung mit Gottes Wort durch die Bibel und die Predigt eine Veränderung bewirkt.
Es hat durch das Handeln in dem Leben einen Umkrempeln, besser gesagt Umkehr geschehen.
Darin liegt etwas, das bis heute seine Bedeutung nicht verloren hat:
Dass wir Menschen unser Leben in allen Bereichen in der Verantwortung vor Gott zu gestalten haben.
Es wäre gut, wenn wir alle das im Leben sehen würden,
was der Jäger bei der Jagd sieht .
Wir Jäger schauen bei der Jagd durchs Visier unserer Waffen.
Im Visier befindet sich ein Fadenkreuz.
Für den Jäger ist es die Mitte des Zielpunktes.
Wenn wir dieses Kreuz in den Visieren unseres Lebens nicht nur als Mitte des Zielpunktes verstehen würden, sondern als Hinweis darauf,
dass auch dieses Ziel mit den auferstandenen Christus in Verbindung steht,
dann würde unser Leben wie bei Hubertus eine andere Wendung nehmen.
Das Kreuz im Visier unseres Lebens,
das Kreuz als Zeichen der Hinwendung Gottes zur Schöpfung ist nötig in unserer verlorenen Welt,
es war immer nötig und es bleibt nötig,
um uns Menschen daran zu erinnern,
dass wir nicht die Herren dieser Welt sind,
dass unsere Wünsche und Möglichkeiten keinen Maßstab haben.
Heißt das nun für die Jäger unter uns,
dass wir die Waffen einpacken und nur noch mit dem Feldstecher auf dem Hochstand sitzen dürfen?
Wenn es um die Wälder unserer Heimat geht, dann muss man darüber anders urteilen.
Wenn Jagd zum Bestandteil und Ausdruck menschlicher Machtausübung wird,
wenn eigener Machttrieb den Umgang mit der Waffe bestimmt,
dann ist das Zeichen des Kreuzes ein wichtiges Zeichen der Umkehr.
Das Zeichen des Kreuzes aber zeigt uns auch,
dass wir nicht mehr im Paradies von Adam und Eva leben.
Das menschliche Leben ist bestimmt von dem Leben außerhalb des Paradieses,
von dem Leben der eigenen Gestaltung der Lebensräume.
Kulturraum nennen man das Neudeutsch heute.
Wenn denn der Mensch Kulturräume schafft, und Felder, Wiesen und Wälder sind unsere Kulturräume seit vielen Jahrhunderten,
dann bezieht die Pflege dieser Kulturlandschaft auch die Jägerei mit ein.
Und der verantwortungsvolle Jäger sieht auch genau dies als seine Aufgabe an.
Es geht um Erhaltung, Pflege und Hege des gesamten Wildes,um das Bebauen und Bewahren der umgebenden Schöpfung,
die von allen Menschen genutzt wird.
Es gibt bei uns keine unberührte Natur, keinen Urwald mehr.
Es lässt sich auch nicht mehr schaffen oder ganz zurückentwickeln.
Der Mensch hat die Natur kultiviert und daher trägt er auch seine Verantwortung für diese kultivierte Natur.
Aber es bleibt eine Gratwanderung.
Es ist nur ein schmaler Grat, auf dem wir wandern:
Die Fähigkeit zu bewahren und zu pflegen,
kann in Zerstörungswut umschlagen,
die Liebe in Hass und Weltverachtung.
Gott gebe uns offene Augen und Herzen und immer wieder auch den Mut umzukehren und falsche Wege zu verlassen.
Umkehren nicht nur in der Art der Ausübung der Jagd, sondern auch Umkehren und unsere Beziehung zu Gott neu zu ordnen in unseren Leben,
genau wie es Hubertus getan hat in seiner Bekehrung.
Diese neue Ordnung im Leben hat mit Jesus Christus, den auferstandenen Sieger von Golgatha ein Ziel,
das wir im Kreuz des Lebens anvisieren sollen.
Er kennt uns und er lädt uns auch heute ein, seinen Weg zu Gott gemeinsam zu gehen.
Damit wir das Ziel unseres Lebens erreichen, das dereinst bei Gott ist.
Damit das Waidmanns-Heil zum richtigen Heil im Leben eines jeden von uns wird.

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft,der bewahre unseren Herzen und sinne in Christus Jesus unseren Herren.
Amen.


Artikel gedruckt von Prediger Jens Winkler in der Kirche Guttau/Malschwitz:

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