- Prediger Jens Winkler in der Kirche Guttau/Malschwitz - -

Gottes Berufung

Geschrieben von Jens am 5th August 2012 @ 05:59 in Allgemein, Predigten, Archiv | Keine Kommentare

9. So.n.Trinitatis
Predigt Guttau
Jeremia 1,4-10

Der Ausdruck, das Gesicht und die Gestik eines Menschen verraten schon sehr viel von seinen Leben , von dem man eigentlich nichts kennt.
Manches Bildnis erzählt dann mehr den Betrachter als eigentlich gedacht. So ein Bild steht mir gerade vor Augen, wenn ich an das Bild von Dürer “Die alte Mutter” denken, ist das so.
Bei manchen Menschen kann man an der Kleidung erkennen, welchen Beruf sie nachgehen.
Es gibt viele Menschen, die für ihren Beruf aufgehen.
Über einen Arzt habe ich schon öfters den Satz gehört:
“ Das ist wirklich der geborener Arzt“
Dem konnte ich aus meiner eigenen Erfahrung nur zustimmen. Ein geborener Arzt war er deshalb, weil jeder der Patienten merkte:
„Er übt diesen Beruf nicht nur als Beruf aus, sondern aus Berufung um anderen zu helfen und zu heilen. Nicht immer ist der Beruf als Arbeit auch gleich der Berufung gleichzusetzen.
Manchmal fällt es auch uns selber einfach schwer zu sagen, wo meine Stärken, meine Begabungen und manches Talent im eigenen Leben liegen, manchmal sie selbst zu entdecken.
Unser heutiger Predigttext aus den Alten Testament erzählt von einen Mannes mit den Namen Jeremia.
Jeremia war Sohn eines Priester. Nach der Ordnung Israels hätte er auch Priester werden müssen.
Aber das Volk Israel legt damals wenig Wert auf Gottesdienste, deshalb hat Jeremia in der Landwirtschaft gearbeitet.
Aber das hat Gott für ihn nicht als Lebensweg gedacht. Darum spricht Gott mit ihn über seine Berufung, dass er dass tut, wozu ihn Gott gemacht hat.

1. Gott kennt mich
Eine ganz überraschende Erfahrung lese ich aus den heutigen Predigttext heraus:
Gott kennt mich, besser sogar als ich selbst und andere Menschen mich kennen.
Gott kennt mich. Er hat einen Blick für mich, und Gott weiß von meinen Fähigkeiten und Begabungen, die noch ganz tief schlummern in mir und die ich selbst vielleicht noch nicht entdeckt habe.
Ein schöner Gedanke ist das für mich, dass Gott an mir nicht nur sieht, woher ich komme, wie ich jetzt bin und was ich aus meinem Leben gemacht habe.
Gott sieht tiefer und weiter hinein in meinen ganzes Leben.
Gott sieht auch, was noch aus mir werden kann, wozu ich begabt bin, welche verborgenen Schätze in mir liegen. Gott bringt einen Menschen nicht ins Leben ohne zu wissen, wozu er gut ist. Für die einen ist es Gottes Plan fürs Leben , ganz Mutter zu werden und Kinder zu erziehen, für die Anderen ist es Gottes Plan ein Beruf auszuüben.
Aber ein jeder Mensch hat noch eine weitere Berufung, seine zweite Berufung:
Den Plan Gottes in unseren Leben zu erkennen und diesen in sein Leben zu leben.
Wir sind doch keine Propheten - mag man nun vielleicht einwenden, wenn wir dies im Zusammenhang mit Jeremia sehen.
Ja, aber vielleicht werden wir zu welchen, weil Gott ja auch heute Menschen braucht, die ganz alltäglich ihren Glauben an ihn bekennen und bezeugen vertreten auf den Platz, wo sie von Gott in ihren Leben hingestellt worden sind.
Unser Glaube an Gott, die frohmachende Botschaft der Liebe Gottes zu uns Menschen als seine Schöpfung, die Befreiung von unserer Sünde und den ewigen getrennt sein von Gott durch den Kreuztod Jesu am Kreuz auf Golgatha,
dies kann nur anderen Menschen bekannt werden, wenn wir es weitersagen und bekennen als seine Kinder, als seine Zeugen,
die ihn Nachfolgen,den Anfänger und Vollender unser Glaubens an Gott.
Ich bin doch nichts besonderes - mag man nun vielleicht jemand von ihnen einwenden.
Aber vielleicht wirst du heute auf eine Besonderheit aufmerksam, die Gott dir im Leben anvertraut hat.
Jeder und jede von uns ist ein Original und Einzigartig. Ein Original, mit dem sich Gott viel Mühe gemacht hat. Wir sind , jeder für sich allein, für Gott wichtig. Eben jeder ein Original, das aber auch sich im Laufe der Zeit verändert. So wie sich freilich auf eine Bildnis oder Gemälde (Auch auf dem von Dürer) sich Schmutz ablagert, der die ursprünglich schönen Farben und Konturen verdunkeln kann, kann auch in unserem Leben so manches verdunkelt und verschüttet werden.
Sind es da nicht immer wieder auch Gottes gute Worte, die uns wie Jeremia rufen und ansprechen?
Ist da nicht die Kraft des Hlg.Geistes aus dem Worte Gottes , aus der Schrift und der Predigt, die uns den Weg weißt und uns hilft in unseren Leben und dem Leben mit Gott.
Und ein jeder ist ein von Gott geliebter Einzigartigkeit. Ist nicht jeder Gottesdienst für uns so etwas wie eine kleine Berufung und Erkenntnis
Gott kennt dich und mich.
Viel Gutes hat er auch in unser Leben gelegt, den lebendigen Glauben an IHM und die Annahme der Gnade der Gottes für unser Leben zur Rettung.
2. Gott (ge)braucht mich
Jeremia selbst hielt sich für den Beruf des Propheten zunächst für ungeeignet:
“Ach Herr, ich tauge nicht zu predigen.
Ach Herr, ich bin zu jung.”
Gerade seine Bedenken bezüglich des Rufes Gottes bringen mir diesen Jeremia menschlich nahe, denn seine Zweifel sind oft auch meine Zweifel.
Kann und soll ich das wirklich, Gottes Wort weitersagen und bezeugen in unserer Zeit als Verkündiger ?
Mache ich mich mit den Reden über Gott nicht zum Außenseiter in unserer Welt?
Fehlen mir nicht oft die guten Ideen, die zündenden Lebensbeispiele, die originellen Formulierungen für meine Verkündigung und Zeugnis von Gott ?
Bin ich wirklich geeignet im Dienst für Gott?
Gott antwortet dem Jeremia auf seine Einwände klar und unmissverständlich: “Tue, was ich dir sage.”
Was auf den ersten Blick hart und kompromisslos klingt, ist letztlich doch eine große Entlastung, die auch mir in meinen Tun gut tut. Denn ich höre aus der Antwort Gottes:
Sein Bote soll ich sein, nicht weniger, aber eben auch nicht mehr.
Gottes Boten sind wir als Christen überhaupt.
Gottes Boten und seine Zeugen sind wir - nicht weniger, aber eben auch nicht mehr.
Gott braucht auch heute in unserer Kirche und in unserer Zeit keine Superchristen.
Gott braucht keine Schwärmer und keine Einzelkämpfer
Gott will mit uns allen seine Gemeinde bauen, eine Gemeinde in der alle mit hinein genommen werden, die die frohmachende Botschaft des Heiles, welches für uns am Kreuz auf Golgatha erworben ist, weitersagen.
Auch mit meinem manchmal armseligen Glauben kann Gott etwas anfangen.
Auch wenn ich selbst mit vielen Fragen des Glaubens nicht im Reinen bin,
Gott hat für mich trotzdem einen Plan und eine Aufgabe.
Auch wenn ich vielleicht zögere den Auftrag Gottes wie Jeremia anzunehmen.
Auch mich hat Gott als Christ von Anfang erkannt und “ausgesondert”:
Gott hat mich - denken wir an unsere Taufe und unsere Bekehrung zum Glauben - von Anfang an aufgenommen in seine Familie, in die Gemeinde. Gerade in der Taufe sagt Gott ein “Ja” zu mir.
Da wurde wir mit Wasser getauft, die Hände aufgelegt und über uns ein Segen gesprochen: „Ich will dich segnen und du sollst ein Segen sein“.
Seitdem leben wir unter diesem Segen und können ihn nicht verlieren, solange wir leben und atmen.
Und selbst dann werden wir aus diesen Segen nicht fallen.
Er wird uns heimführen dahin zu ihn in Ewigkeit , wo wir hier und heute Kinder und Erben sind und ein ewiges Hausrecht besitzen.
Ich konnte und ich musste da zunächst gar nichts dazutun.
Von Anfang an bin ich Gott damit wichtig und wertvoll, In dem 25-jährigen Priestersohn Jeremia, der sich nicht ins Rampenlicht drängte, der lieber nicht auffiel, erkannte Gott seinen Propheten.
Er sollte dort von Gott erzählen, wo die Menschen Gott vergessen haben.
Er sollte sich da Gottes Namen bekennen, wo man Gott lieber ausklammern wollte, bei Entscheidungen zum Beispiel, - und wir fragen zurecht, ob das heute soviel anders ist.
Jeremia musste seinen Zeitgenossen auch so manche unbequeme Wahrheit im Namen Gottes sagen, weil Gottes Willen eben nicht immer zum Zeitgeist passte und passt.
Ich denke hier dabei nur an die persönlichen Entscheidungen eines Menschen z.B. in der Partnerschaft und andere Dinge -Selbstbestimmung.
In Jeremia erkannte Gott den richtigen Mann für diese Aufgabe.
In uns erkennt Gott den in seiner Nachfolge stehenden, der seinen Dienst tut;
in uns erkennt Gott den Kirchenvorsteher, die mit entscheidet für die Gemeinde; in uns erkennt Gott den Jugendlichen, der neue Ideen mitbringt und kritische Fragen stell in der Gemeinde bzgl. des Glaubens stellt.
Auch und gerade mich ruft Gott, weil er mich braucht in seiner Gemeinde.
Höre ich sein Rufen? Stelle ich mich den Auftrag Gottes, da wo er mich hingestellt hat. Merke ich, wo ich gebraucht werde?
Für uns Christen sollte diese Forderung eigentlich nichts Neues sein:
Wer von seiner unverwechselbaren Würde weiß, die Gott ihm schenkt, wer die Liebe Gottes selbst erfahren hat,
kann nicht mit ansehen, wie das Leben anderer Menschen in den Schmutz getreten wird. Nächstenliebe und gegenseitige Achtung zu “pflanzen”. Als Christen ist es unser Beruf und unsere Berufung, wie der Prophet damals Unrecht beim Namen zu nennen, auch wenn es uns Überwindung kostet und manchmal vielleicht selbst in Schwierigkeiten bringt.

3. Gott schützt mich.
Von Jeremia wissen wir ja auch, dass sein Leben durch die Berufung zum Propheten nicht leichter wurde. Mit Spott musste er fertig werden, die eigenen Verwandten trachteten ihm nach dem Leben,
Konflikte mit Machtträgern blieben zu seiner Zeit nicht aus.
Um so wertvoller ist ihm darum wohl der Zuspruch Gottes von Anfang an gewesen:
“Fürchte dich nicht, denn ich bin bei dir und will dich erretten, spricht der Herr.”
Auch das offene Bekenntnis in unserer Zeit zu Gott ist nicht ohne Schwierigkeiten.
Aber eines dürfen wir in unserer Berufung zum Herrn wissen, auf unser Zeugnis von der Kraft des lebendigen Glaubens liegt der Segen Gottes .
So wie wir in jedem Gottesdienst von Gott im Glauben gerufen und berufen werden, steht nicht ohne Grund am Ende auch für uns im Segen Gottes als bleibender Zuspruch bereit:
Fürchte dich nicht, wenn du nun weitergehst in den Sonntag und die neue Woche.
Fürchte dich nicht, in bin bei Dir.
Fürchte wir nicht vor dem, was neues auf uns zu kommt, was uns bedrängen und bedrücken kann.
Gott, der uns kennt - Gott den wir brauchen und der uns gebraucht-mein Gott steht mir zur Seite.
Und der Frieden Gottes welcher höher ist als alle Vernunft, der bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus unsern Herrn. Amen


Artikel gedruckt von Prediger Jens Winkler in der Kirche Guttau/Malschwitz:

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