Prediger Jens Winkler in der Kirche Guttau/Malschwitz

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Eph 3,14 – 21

Filed under:Archiv — Jens am 16.04.2010 gg. 08:23

Predigtgottesdienst in Guttau
Exaudi

Eph 3,14 – 21
Wie groß ist die Welt?
Können wir begreifen, welches die Breite
und die Länge und die Höhe und die Tiefe ist?
In ganz alter Zeit war eine Reise nach Berlin von wegen der Entfernung mehrerer Tage Dauer ein großes Sache, die einen lange im Gedächtnis geblieben ist..
Heute wird es für viele nur noch ein Tagesauflug, wenn eine Besuch und eine Dienstreise dorthin ansteht.
Die meisten Reisen haben trotz der Entfernung für uns einen messbaren Zeitraum
Wer aber kann die Welt in ihrer Gesamtheit ausmessen?
Vorstellen jedenfalls können wir uns das oft auch heute in unseren erlebbaren Dimensionen nicht.
Was uns die heutige Wissenschaft darüber an Zahlen liefert, ist so unfassbar, dass es uns wenig hilft.
Die Welt im Großen wie im Kleinen, der
Nebel im Weltraum und das Wasserstoffatom – beides für viele von uns unvorstellbar.
Das Staunen darüber kommt an kein erfahrbares Ende.
Hier ist kein Gegensatz von Glaube und Naturwissenschaft.
Im Staunen können sich beide treffen.
Das Staunen, so haben schon die alten Griechen
gewusst, ist der Anfang aller Erkenntnis und des Treibens.
Und vielleicht auch das Ende:
Wenn alles ausgeschöpft ist, was menschlicher Verstand durchdringen und erforschen kann, bleibt das Staunen über die großen unerklärlichen Dinge immer noch.
Und doch gibt es etwas, das größer ist als die Welt und noch erstaunlicher:
Die Liebe.
Die Liebe Gottes umfasst und umgibt
alles, was ist, die fernsten Sternhaufen und die kleinsten Elementarteilchen.
Ohne die Liebe Gottes wäre das alles nichts, eine unendliche Leere.
Und ohne die Liebe Gottes wären auch wir nichts.
Nur eine Zusammenballung von Atomen, etwas Physik, etwas Chemie – nichts Nennenswertes.
Das macht uns noch nicht zu Menschen.
Zu Menschen macht uns, dass die Liebe Gott, unseres Schöpfers, in uns wohnt.
Etwas, das größer ist als die ganze Welt und trotzdem erlebbar für jeden einzelnen Menschen ist , hat in einem festen Platz in unseren Sein und Herzen
Das ist das Geheimnis der Liebe.
Was bleibt uns da als Antwort auf alle ungelösten Fragen?

1.
„Ich beuge meine Knie.“
Ich beuge meine Knie vor all dem großen staunen darüber.
Das Knien im Alltag der Gesellschaft und in unserer Kirche ist fast außer Übung gekommen.
Früher haben die Menschen bei ihren Gebeten zu Gott am Tage zu Hause und auf den Feld gekniet. Es war die Ehrfurcht vor dem, mit den sie im Gebet verbunden sind.
Dieser Brauch ist heute fast vollkommen verschwunden, vielen unbekannt.
Im Seminar in Falkenberg wurde in der Gemeinschaft in knien gebetet.
Heute gilt es als sehr katholisch, wenn man bei der Feier eines Gottesdienst in einer ev. Kirche kniet.
Nur ganz einige Anlässe gibt es, wo das Knien mancherorts in Kausualien noch üblich ist.
Die Brautpaare knien zum Segen bei der Hochzeit vor dem Altar ,
die Konfirmanden bei der Einsegnung nach dem Ja-Wort und die Aufnahme in die Gemeinde ,
die kirchlichen Mitarbeitende bei ihrer Einführung in ihren neuen Amt in der Gemeinde und Kirche.
Für die unter uns, welche bei meiner Einführung in das mir übertragene Amt des Prädikanten hier zu Lichtmess in unserer Kirche mit dabei waren, können sich sicher auch daran erinnern, dass ich ebenfalls vor diesen Altar gekniet und durch die anwesenden Brüder gesegnet worden bin.
Beim Knien, ganz gleich aus welchen Anlass,
begeben wir uns in eine offene Haltung,
in der wir nichts tun können,
in der wir offen sind für das, was für uns und an uns getan wird.
So ist es, wenn wir gesegnet werden.
Dazu können wir nichts tun.
Der Segen Gottes in solchen Handlungen ist ein Geschenk, das wir nur empfangen können.
Ein Geschenk ist einen einseitige Willenserklärung, dass nur unserer Annahme bedarf.
„Ja“ sagen zu dem, was dort passiert.
Manchmal ist das Niederknien auch ein Ausdruck der Ehrfurcht bei einem Erlebnis, das einen Menschen in dieser Situation ganz bewegt und beeindruckt.
Ein großartiges Naturerlebnis vielleicht,
die Geburt des ersten Kindes
ein Sonnenaufgang am Meer oder der Anblick des Gebirges.
Das ist so groß und so überwältigend, dass mancher vielleicht denkt:
„Da könnte man niederknien. „
Hier wird das Menschenleben in seiner Niedrigkeit der Schöpfung in einen weiten Raum gestellt.
Und der Raum, der sich uns öffnet, ist nicht leer, er ist
erfüllt von Gott, unseren Schöpfer.
Da kann man niederknien,
aber da kann man sich auch aufrichten,
sich recken und strecken.
Da kann man frei atmen und sich entfalten.
Sicher sind wir immer ganz klein in diesem
großen Raum.
Und man kann fragen, wie es der Psalm 8 tut:
Wenn ich sehe die Himmel, deiner Finger Werk,
den Mond und die Sterne, die du bereitet hast:
was ist der Mensch, dass du seiner gedenkst,
und des Menschen Kind, dass du dich seiner annimmst?

Sind die Menschen unbedeutend in diesem großen Raum?
Sind sie Bewohner eines Planeten, der nur ein Staubkorn im Weltall ist?
Der Dichter des 8. Psalms kommt zu einer anderen Antwort:

Du hast ihn wenig niedriger gemacht als Gott, mit Ehre und Herrlichkeit hast du ihn gekrönt.
Du hast ihn zum Herrn gemacht über deiner
Hände Werk, alles hast du unter seine Füße getan.

Was macht den Menschen so besonders, was hebt ihn so heraus?
Es ist die Liebe Gottes, die in ihm wohnt.
Es ist die unverdiente Gnade, mit der Gott uns in unseren Leben begegnen will, mit seiner oftmals grenzenlosen Liebe zu uns.

2.
Die Liebe ist nicht teilbar.
Man kann Liebe in ihren scheinbaren Ausmessungen nicht vermessen,
es gibt keine Maßeinheit dafür – und kein Messinstrument.
Sie ist entweder ganz oder gar nicht vorhanden..
Man kann nicht halb lieben oder ein bisschen oder mit zehn Prozent der vorhandenen Kräfte.
Die Liebe Gottes ist größer als die Welt – aber sie ist nicht in kleine Portionen aufgeteilt.
Wo die Liebe Gottes in uns ist, da erfahren wir die ganze Fülle ihrer Kraft an uns in unseren Leben.
Im Predigttext aus dem Epheserbrief wird auch noch ein anderes Bildgleichnis von Gott dafür gebraucht:
Dass wir in der Liebe eingewurzelt und gegründet
sind.
Die Bilder wechseln in der Beschreibung dazu, aber keins ist groß genug, um die ganze Fülle aufzunehmen.
Aber jedes beleuchtet einen anderen Aspekt dieser auf uns zugehenden Fülle.
Die Liebe ist wie das Erdreich.
Ein Nährboden, auf dem wir
wachsen können, in den wir unsere Wurzeln tief eingraben können und damit fest verankert sind.
Damit die Stürme des Lebens uns nicht umwerfen können und fest stehen, wie die alten Eichen in unserer Heimat.
Und so wie Pflanzen ihre Kraft aus dem Boden ziehen,
ziehen wir unsere Kraft zur Veränderung und Durhchhalten aus der Liebe.
Und indem die Pflanze fest im Boden verankert und verwurzelt ist, hat sie einen Halt gegen die Stürme des Lebens.
Gott ist Liebe – und wer in der Liebe bleibt,
der bleibt in Gott und Gott in ihm
1. Johannesbrief.
In der Liebe bleiben – das kann ich mir gut im Bild eines Baumes vorstellen, der fest im Boden wurzelt.
Die Liebe ist von langer Dauer – die Liebe hört niemals auf, heißt es im Hohellied der Lieb im 1. Kor 13.
Und zugleich ist sie in jedem Augenblick ganz da.
Die Liebe hat unendlich viele Gestalten, im Großen und im Kleinen.
Sie ist so vielfältig wie die Welt.
Und doch ist sie nur eine einzige wahre Liebe..
Wenn wir ihr wahres Wesen erkennen wollten, müssten wir uns die Liebe an sich vorstellen können,
ihr Gesicht sehen.
Die Liebe Gottes hat ein menschliches Gesicht, das Gesicht des Jesus aus Nazareth, der Christus genannt wird.
In ihm ist die Liebe Gottes anschaubar, erfahrbar und für jeden einzelnen von uns auch erlebbar.
In seinen Handeln an uns Menschen erfahren wir sie ganz persönlich.
ER, der ohne Sünde und Schuldlos im Leben war,
ist für unsere Sünde und Schuld am Kreuz auf Golgatha gestorben.
ER, hat damit ein für allemal vor Gott für unsere Schuld ihm gegenüber bezahlt.
Er, hat den Tod die Macht genommen und uns durch seine Auferstehung zu Ostern unseren Leben ein Sinn und einen Zuversicht gegeben,die über unseren Tod hinaus reicht und bei Gott, unseren Vater in Ewigkeit endet.
Seine ewige Lieb hat aus aus der Macht des Todes errettet, wenn wir sein Angebot der Gnade im Glauben annehmen und ihn in unseren Herzen einlassen.
So ist Gott, so ist die Liebe.

3.
Und so kommt der Predigttext zur tiefsten und geheimnisvollsten Beschreibung von Liebe:
Liebe bedeutet, dass Christus in unseren Herzen wohnt.
Christ sein heißt:
Die Liebe, die in Christus Gestalt gewonnen hat, lebt in uns.
Wir sind dadurch sein Eigentum bis in Ewigkeit.
Paulus sagt an anderer Stelle:
Ich lebe – und Christus lebt in mir.
Das ist die feste Kraft, die wir zum Leben brauchen.
Kraft,die nicht aus uns kommt, sondern aus der Liebe Gottes, die in uns wohnt.
Die Kraft, den Mitmenschen zu lieben – auch den unbequemen, unsympathischen Mitmenschen.
Die Kraft, schwere Zeiten im Leben zu bestehen, wie Not, Krankheit, Trauer.
So werden wir stark von innen heraus,
am inneren Menschen in unseren Glauben an Gott.
Das ist ein seltsamer Ausdruck:
Der innere Mensch.
Es gibt wohl auch einen äußeren Menschen:
Das Gesicht, das wir den anderen zeigen, wie wir gesehen werden und gesehen werden wollen.
Ein Stück Fassade, manchmal
vielleicht notwendige Fassade, aber oft auch eine vorgespielte Fassade, manche sagen auch Masken,
die oft unter Schmerzen nur aufrechterhalten werden kann.
Wir wollen ja nicht jeden in unser Herz blicken lassen.
Denn oft genug ist dieses eine Mördergrube.
Ein Stück Fassade aber auch manchmal vor
uns selbst, die Art, wie wir uns selbst gern sehen möchten.
Da schirmen wir manches in unseren Leben ab, was uns nicht an uns gefällt und was nach unserer Meinung auf keine Fall nach außen dringen soll.
Der innere Mensch hat es nicht immer leicht!
Manchmal meldet er sich.
Mit plötzlicher Traurigkeit vielleicht oder auch mit ganz unvermuteter Freude.
Der innere Mensch, das bin ich, wie Gott mich sieht, so, wie er mich kennt bis ins Innerste meines Herzens.
Ein Mensch abgefallen von Gott und unter der Macht der Sünde, verloren bis in Ewigkeit ohne Gott.
Und da ausgerechnet will er mit seiner Liebe wohnen. Daher kommt alle Liebe, die ich spüre und weitergebe. Dadurch wird der innere Mensch stark.
Liebe ist und bleibt ein Geschenk, nichts,
was wir von uns aus hervorbringen können und nichts , was man kaufen kann.
Alle damit gemachten Versprechungen sind nur kurzzeitige Illusionen..
Man kann Liebe nicht einfach einplanen im Leben
und wie selbstverständlich voraussetzen im sein..
Liebe ist immer etwas Besonders, das den Alltag durchbricht.
Wir können sie nicht einplanen, aber wir können darum bitten, dass die Liebe Gottes im Glauben auch zu uns kommt und uns erfüllt.
Indem wir Gott in unser Leben lassen und von ihn dieses bestimmen lassen.
Dann können wir erfahren, dass Gott wirklich viel mehr tun kann, als wir bitten oder verstehen.

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