Prediger Jens Winkler in der Kirche Guttau/Malschwitz

Bibel - Gottes Wort - Errettung - Gottes Sohn -Jesus Christus -Leben - Glauben

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Reminiscere/2. Sonntag der Passionszeit

Filed under:Allgemein, Predigten, Archiv — Jens am 20.03.2011 gg. 09:17

Predigtgottesdienst in Guttau
Reminiscere/2. Sonntag der Passionszeit
Matthäus 12, 38-42

Die Menschen suchen seit alters her gerne nach Zeichen und Beweise, dass ihr Glaube und damit die damit verbundene Hoffnung der Wahrheit entspricht.
Auch der heutige moderne Mensch sucht zur Bestätigung seiner Lebenseinstellung immer wieder gerne solche Beweise ,
dass er mit seinen Lebensinhalt auf den richtigen Weg ist..
Und so fragen auch damals zu der Zeit von Jesus seine Zuhörer nach solchen Beweisen seines Anspruches und müssen sich, so scheint es auf den ersten Blick, abkanzeln lassen.
Es ist fast so, als wollten sie mit dieser Forderung nach einen Zeichen sagen:
“Gib uns doch ein Zeichen vom Himmel, damit wir endlich genau wissen, ob du wirklich von Gott bist!”
Wenn wir durch die Geschichte der Menschen gehen, werde wir diese Art der Zeichenforderung immer wieder entdecken.
Der Preußenkönig Friedrich d. Große lebten in der Zeit des Barocks..
Freigeistiges Denken war geprägt von Rationalismus. Dieser kann umschrieben werden mit den Worten,
die viele Menschen auch heute noch prägen:
“Ich glaube nur, was ich sehe”.
Eine große Skepsis gegenüber Religion und dem christlichen Glauben im Besonderen.
“Jeder soll nach seiner Facon selig werden” gehört zu den bekanntesten Aussprüchen des “Alten Fritz”.
Einmal soll er seinen Leibarzt spöttisch gefragt haben: “Nenne er mir einen Gottesbeweis, wenn er kann!”
Darauf hat dieser geantwortet: “Die Juden, Majestät”.
Dieses kleine Volk – ein Lichtpunkt in der Menschenmasse auf der Welt – ein Gottesbeweis.
1.
Auch uns ist solches Denken sicher nicht fremd.
Und es stellt sich die Frage der Frage:
Wie steht es denn mit unserem eigenen Glauben an den lebendigen Gott?
Wünschten wir uns nicht auch oftmals ein deutlicheres Zeichen von Gott , das richtig erlebbar und spürbar in unserer Leben mit seinen Schwierigkeiten ist?
Gott ist unsichtbar; wir würden doch so gern mehr mit unseren Sinnen von ihm sehen und hören.
Die kleinen Zeichen und Wunder,
mit denen Gott auch uns heute begegnet:
beachten wir sie, und nehmen wir sie auch wahr?
Zum Beispiel da:
Da wird ein kleines Kind heil und gesund geboren -
scheinbar einerseits eine Alltäglichkeit,
andererseits ist es für die frischgebackenen Eltern doch ein großes Wunder,
wenn sie erstmalig ihr eigenes Kind in den Armen halten.
Übrigens eine Erfahrung, an die ich mich bei meinen Sohn selbst nach fast 22 Jahren noch immer erinnere, auch wenn kein Foto von damals vorhanden ist
Oder
Wenn jetzt im Garten zu Hause nach diesen Winter und den Regen die kleinen Schneeglöckchen ihren Weg nach oben wachsen, ist das nicht ein kleines Wunder?
Man kann mit Hilfe der Wissenschaft und den wiederkehrenden Lauf der Natur solche kleinen Wunder zerreden.
Meinen Glauben aber sieht Gott, den Schöpfer des Himmels und der Erde am Werk.
Da ist jemand auf eisglatter Straße in diesen langen Winter ins Rutschen und auf die Gegenseite geraten.
Da kommt auch schon ein anderes Auto entgegen.
Wie durch ein Wunder bekommt er gerade noch rechtzeitig seinen Wagen unter Kontrolle.

Ist das nicht auch ein Zeichen, dass ihn vor Unfall bewahren wollte?
“In wie viel Not hat nicht der gnädige Gott über dir Flügel gebreitet?”
Und trotzdem möchten auch wir deutlichere und klarere Zeichen und Beweise für die Existenz Gottes sehen.

Wer die kleinen Wunder des Lebens nicht sehen will, wie will der die großen Wunder jemals erfassen können?
Das Alte Testament erzählt vom Propheten Elias, auf den in unseren heutigen Predigttext hingewiesen wird..
Der Prophet Elias wurde wegen seiner Kritik am König verfolgt.
Er war in seinen Handeln am Ende seiner Kraft.
Erschöpft liegt er am Boden und kann einfach nicht mehr.
Da bekommt er von einem Engel Gottes einen Tritt - es wird nicht verraten wohin -, und er wandert nun mit neuer Kraft vierzig Tage und vierzig Nächte bis er zum gleichen Berg kommt, wo Gott seinem Volk die Zehn Gebote mitgeteilt hatte.
In einer Höhle soll er Gott nun selbst erleben.
Da geschehen nun gewaltige Naturereignisse:
ein Orkan, ein Feuer und ein Erdbeben.
Doch Gott ist nicht in diesen gewaltigen Naturereignissen verborgen.
Auch wenn die Ereignisse der letzten Tag in Japan und die damit verbundenen Begleitumstände so mache an liebenden Gott und seinen Handeln an uns Menschen zweifeln lassen

2.
Aber Gott erscheint schließlich im leisen Säuseln eines Windes.
Deshalb meine ich:
In den kleinen Wundern des Alltags entdecken wir die Spuren unseres lebendigen Gottes.
Was wir brauchen, sind keine gewaltigen Zeichen, kein erlebbares Großwunder,
sondern offene Augen, offene Ohren und ein suchendes offenes Herzen nach den Fragen des Lebens..

Die Bewohner von Ninive, so erzählt es das Alte Testament, hatten offene Ohren und offene Herzen. Dabei hatten sie eigentlich kein guten Ruf der damaligen Zeit.
Ihr Reich Assyrien galt damals als das Reich des Bösen: die Assyrer galten als grausam und ungerecht.
Es scheint fast wie von selbst, dass der kleine Mann namens Jonas lieber mit dem Schiff in die entgegengesetzte Richtung floh.
Er hatte nämlich den Auftrag als Prophet bekommen,
in der Hauptstadt von Assyrien, Ninive, den drohenden Untergang anzukündigen.
Ich weiß selbst nicht, wie ich damals gehandelt hätte.
Den Mut zu solcher einer Tat hätte ich sicher auch nicht gehabt!
Jonas, der Prophet flüchtet vor den Auftrag Gottes also mit einem Schiff Richtung Spanien.
Unterwegs kommt ein Sturm auf.

Das Schiff droht unterzugehen.
Da befragen die Seeleute per Los ihre Gottheit, ob nicht jemand gesündigt habe.
Und das Los fällt auf Jonas.
Jonas wird aufgrund des Gottesurteils ins Meer geworfen.
Der Sturm lässt nach, die Seeleute sind gerettet.
Jonas wird von einem großen Fisch verschlungen.
Drei Tage und drei Nächte verbringt er im Bauch des Fisches, bis dieser ihn an Land ausspuckt.
Nun erfüllt Jonas seinen Auftrag.
Die Menschen von Ninive hören seine Drohungen.
Sie gehen in sich;
sie bereuen ihre Untaten.
Der König ordnet sogar Staatstrauer an.
Diese harten Assyrer haben offenere Ohren und Herzen als die gelehrten Schriftgelehrten und Pharisäer,
die von Jesus das Zeichen forderten.

Sie brauchen keine weiteren Zeichen als die Worte des kleinen Mannes Jonas.
Diese Assyrer haben einen größeren Glauben als viele heutige Christen:
wir haben die Bibel, das geoffenbarte Wort Gottes ;
wir haben dadurch unser Wissen von Gott;
wir erleben das Wirken Gottes in vielen Dingen in unseren Leben und Glauben ,
und doch verlangen wir nach Beweisen für die Existenz Gottes oder nach handfesten Zeugnissen für die Auferstehung Jesu von den Toten.

In vielen Kirchen des späten Mittelalters ist auf den Altarbild die Szene von der Kreuzigung Jesu zu sehen. Auf der Rückseite oder im Hintergrund des Bildes sieht man oft diesen großen Fisch, der gerade den Jonas an Land ausspuckt.
Dieser Fisch ist das Symbol für den Tod,
welchen Jesus Christus, den Sohn Gottes in seinen Reich nicht behalten kann und los geben muss.
Das einzige Zeichen für die Einzigartigkeit Jesu als des Sohn Gottes,
ist sein Sterben am Kreuz auf Golgatha für unsere Schuld und Sünde
und seine Auferstehung von den Toten für den neuen Weg Gottes mit uns allen.
Menschen mit besonderen Fähigkeiten hat es immer gegeben.
Aber nur einer ist Gottes Sohn: am Kreuz gestorben und am dritten Tag auferstanden von den Toten.
Was hat das aber nun mit uns zu tun?
Ich glaube, dass der Anspruch Jesu, Gott zu sein,
vielen scheinbar aufgeklärten Menschen wie den „Alten Fritz“ damals auch heute noch Probleme bereitet.
In der Schrift wird erwähnte, dass Jesus Christus von sich an vielen Stellen in Anspruch nahm, wahrer Gott zu sein.
Deshalb forderte er von den Menschen Glauben.
Glauben an den Lebendigen Gott.
Genau darum geht es auch in unserem Predigttext: Jesus Christus ist viel mehr als nur ein Prophet.
Mehr als nur ein besonderer Mensch.
Die Muslime mit den Islam glauben ja auch,
dass Jesus Christus gelebt hat,
aber sie sehen in ihm nur einen Propheten, wie sie es auch mit Abraham halten..
Wenn sie den Koran ernst nehmen,
dann steht dort ja auch, dass das Evangelium der Christen die Wahrheit sagt .
Dann aber müssten sie eigentlich auch über diesen kleinen Satz Jesu,
in dem er in Anspruch nimmt, mehr zu sein, als ein Prophet wie Jona,
ins nachdenken kommen.
Denn dieser Satz steht ja im Evangelium, wie wir es am Anfang gehört haben.

3.
Was macht es vielen Menschen eigentlich so schwer, an Jesus zu glauben?
Zum einen sind da die Vorurteile auf Grund von Erfahrungen mit Menschen, die Sonntags in die Kirche gehen.
Viele Christen sind leider alles andere als ein gutes Vorbild und damit ein Zeugnis von Gott.
Manche sind sehr streng und meinen,
Christsein und Glauben besteht im Beachten von Geboten und Verboten, eben Gesetzlichkeit.
Da wird dann z.B. in manchen Gemeinden gelehrt, dass Christen dies oder jenes und auch eben auch eine fröhliche Feier nicht tun sollen.
Dabei spricht ja eigentlich nichts dagegen,
als Christ auch einmal zu feiern und fröhlich zu sein, denn schließlich hat Jesus ja selber auch gefeiert
Man muss ja deshalb noch lange nicht alles und jedes mitmachen.

Ein weiteres Hindernis für den Glauben ist vielen Menschen heute, dass ihnen die erlebten Erfahrungen im Glauben fehlen, neudeutsch gesagt:
„Das Erlebnis Glaube fehlt“:
Während damals Jesus viele Zeichen und Wunder tat, scheint es manchen Zeitgenossen heute so,
als ob das alles nur fromme Märchen sind und das Zeugnis der Bibel ein alter Roman ist..

Doch ich erlebe es anders.
Ich kenne etliche Christen, die auch heute noch von Zeichen und Erfahrungen Gottes Zeugnis geben können.
Und ich erfahre Gottes Gegenwart und seine Liebe heute auch noch und sehr persönlich.
Und ich erfahre auch und gerade jetzt in der Passionszeit, dass Gott mich mit seine Rufen auch mich auffordert, über mein Leben und den Lebensweg nachzudenken.
Glauben und Weg mit Gott bedeutet nicht, dass alle bis zum Ende des Lebens im Gleichgewicht ist,
sondern Glaube bedeutet ein ständiger Kampf mit sich selbst um das Leben.
Da gibt es Höhen und Tiefen,
Neuanfang und Lebensängste,
aber auch eine Gewissheit, dass dieses Lebens mit Gott der richtige Weg zum Leben ist.
Möge Gott unseren lebendigen Glauben stark machen, damit wir seinem Sohn Jesus Christus vertrauen und durch seine Auferstehung auf unsere eigene Auferstehung von den Toten hoffen und damit den Weg des Glaubens gehen.

Amen
Das gesprochene Wort gilt!

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