Prediger Jens Winkler in der Kirche Guttau/Malschwitz

Bibel - Gottes Wort - Errettung - Gottes Sohn -Jesus Christus -Leben - Glauben

Diesen Artikel drucken

Judika 1. Mose 22,1-13

Filed under:Allgemein, Predigten — Jens am 10.04.2011 gg. 07:29

Predigtgottesdienst in Malschwitz
Judika
1.Mose 22, 1-13

Unser heutiger Text scheint für viele Menschen heute wie damals ein sehr schwierig zu sein.
Furchtbar, ja abstoßend scheint er aus der langen Zeit der Menschheitsgeschichte hervorgeholt.
Was soll man von einem Vater halten, der bereit ist nach den langen erfolglosen Warten auf ein Kind, seinen eigenen Sohn zu töten?
Abschreckend, so erscheint es im ersten Augenblick, ist hier der Gehorsam des Abraham.
Was ist das für ein Glaube an den Gott seiner Väter sein, der sich im Opfer des Sohnes bewähren soll?
Was ist das für eine Gottesfurcht, die scheinbar alle menschliche Bindungen hinter sich lassen muss im Leben, um Gott zu genügen und vor ihn zu bestehen?
Und vor allem: Was ist das für ein Gott, der das Opfer eines geliebten Menschen fordert und dann doch im letzten Moment verhindert?
Ist das noch der Gott der Liebe und des Friedens, den wir “unseren Vater” nennen?
Oder begegnen wir hier jemand , der Gehorsam bis zum Allerletzten von uns fordert?
Wie können wir heute mit einer solchen Geschichte umgehen?
1.
Die Geschichte von der Opferung Isaaks ist eine der schwierigsten Geschichten der Bibel des AT überhaupt. Mich hat sie beim Lesen und Betrachten an meinen alten Kantor John in der Christenlehre im Gemeinderaum in Gnaschwitz immer sehr bewegt.
Als Kind spürte ich bei dieser Geschichte immer mein klopfendes Herzen. Ich spürte, wie eine Angst mich beschlich und mich in meinen Gedanken sehr weit fort trug. So waren damals meine Empfindungen
Es ist aber gerade für unseren Glauben auf Grund des Neuen Testamentes wichtig sich mit den Geschichten des Alten Testamentes vertraut zu machen, um das Heilsgeschehen vom Kreuz her in Jesus Christus tiefer und tiefer zu verstehen. Und da schließt sich wieder der Kreis, gerade jetzt in der Passionszeit.
Abraham hatte sich von Gott rufen lassen. Er war aus seiner Heimat, aus seinem Vaterland, aufgebrochen. Gegen allen Augenschein hatte er sich auf die Verheißungen, die Gott ihm gegeben hatte, verlassen und im Glauben vertraut.
Wie kein anderer vor und nach ihm hatte er Gott geglaubt. Wer im letzten Jahr bei der Bibelwoche in unserer Gemeinde teilgenommen hat, kann sich sicher noch an die dort besprochenen Abende daran erinnern.
Und dann war seiner Frau Sarah und ihm von Gott ein Sohn geschenkt worden: Isaak.
Nach Abraham sollte dieser Isaak der Träger der Verheißungen Gottes sein. Abraham, Isaak und Jakob – das sind die Stammväter Israels.
Jetzt heißt es in der Abrahamgeschichte:
„Nach diesen Geschichten versuchte Gott Abraham“. Wieder einmal redet Gott den Abraham an, wie schon so oft vorher. Und jetzt sagt er: „Nimm Isaak, deinen einzigen Sohn, den du lieb hast, und geh hin in das Land Morija und opfere ihn dort zum Brandopfer auf einem Berge, den ich dir sagen werde“.
Gott nimmt Abraham wieder in seine Pflicht.
Aber Gott will mit diesen Reden mehr, und er hat mit seinem Abraham mehr vor, als es im Anfang scheinbar deutlich ist.. Aber für Abraham enthält dieser Anweisung Gottes etwas schlechthin Unbegreifliches.
Das von Gott nach einer so langen Zeit geschenkte Kind, der Träger der Verheißung, dass seine Nachkommen so reichlich sein werden, wie die Sterne im Himmel, soll Gott im Opfer zurückgegeben werden.
Ein Menschenopfer, dass an anderen Stellen des Alten Testamentes so vehement von den Propheten verboten wird, wird hier scheinbar von Gott selbst gefordert.
Am Anfang seines Weges mit Gott musste sich Abraham von seiner ganzen Vergangenheit, von seinem Vaterland, von seiner Verwandtschaft trennen, um den ihm gewiesenen Weg des Glaubens zu gehen
Jetzt muss er alles preisgeben, was für ihn im Glauben an Gott die Zukunft ausgemacht hat. Denn gerade so sieht es auf den ersten Blick aus, auch wenn wir den Ausgang der Geschichte kennen.
Ganz genau weiß Gott um die Größe des Opfers, das er verlangt von Abraham .
Denn ausdrücklich sagt er: „Nimm Isaak, deinen einzigen Sohn, den du lieb hast!“
Gott will dem Abraham sein eigenes Geschenk wieder wegnehmen. Er weiß, wie sehr Abraham an seinem Sohn hängt. Wer unter uns Vater oder Mutter ist, weiß das auch. Gott tritt mit Gott in Widerspruch.
Hier steht Glaube gegen Glauben. Der Befehl Gottes scheint die Verheißung Gottes zu vernichten.
Im Bild gesprochen: Gott selbst legt dem Gottesglauben des Patriarchen Abraham, des Vaters im Glauben, die Axt an die Wurzel des Lebensbaums.
Und Abraham gehorcht Gott auch hier. Er handelt heimlich. Keinem vertraut er sich an. Früh am Morgen steht er auf, sattelt seinen Esel, nimmt zwei Knechte mit sich und Isaak, seinen Sohn. Er spaltet Holz zum Brandopfer, verbirgt das Feuer in einem Krug und geht zu dem Ort, den Gott ihm genannt hat.
Das Quälende dieses Weges ist nur zu ahnen. Am 3. Tage sieht Abraham die ihm von Gott genannte Stätte von ferne, die Stätte, auf der Salomo später den Tempel baut und sagt zu seinen Knechten:
„Bleibt ihr hier mit dem Esel. Ich und der Knabe wollen dorthin gehen, und wenn wir angebetet haben, wollen wir wieder zu euch kommen“.
In fürsorglicher Liebe verteilt Abraham nun die Lasten. Das Holz legt Abraham seinem Sohn auf, das gefährliche Feuer und das Messer nimmt er selbst in seine Hand.
Dann gehen Abraham und Isaak los. Erst nach einer Weile des bedrückenden Schweigens beginnt Isaak zu reden: „Mein Vater!“ Die Innigkeit dieser Anrede schneidet einem ins Herz. Abraham antwortet: „Hier bin ich, mein Sohn!“
Dann trägt Isaak seine Gedanken vor: „Siehe, hier ist Feuer und Holz; wo ist aber das Schaf zum Brandopfer?“ Schonend, vertrauend, ausweichend antwortet Abraham: „Mein Sohn, Gott wird für ein Brandopfer sorgen“. Schweigend gehen die beiden weiter.
Als der Vater und der Sohn an der von Gott angegebenen Stelle angekommen sind, wird nicht mehr geredet, sondern in strengem Gehorsam gehandelt.
Mit schrecklicher Genauigkeit hören wir im Einzelnen von dem, was Abraham tut.
Er baut dort einen Altar um das Opfer darzubringen. Er legt das Holz darauf. Er bindet seinen Sohn Isaak fest und legt ihn auf den Altar, oben auf das Holz. Dann fasst er das Messer, hebt den Arm und will seinen Sohn schlachten.
So weit lässt Gott es kommen. Bis zu diesem Höhepunkt der Gehorsamsprobe auf sein Wort. Man hält den Atem an.
Aber da greift Gott ein. Nun ist der Engel zur Stelle und ruft: „Abraham, Abraham!“
Zum dritten Mal beim Rufen Gottes in seinen Leben sagt der alte Abraham in dieser Geschichte:
„Hier bin ich!“ Jetzt hört er, wie ihm der Engel zuruft: „Lege deine Hand nicht an den Knaben und tue ihm nichts; denn nun weiß ich, dass du Gott fürchtest und hast deines einzigen Sohnes nicht verschont um meinetwillen“.
Jetzt sieht Abraham hoch und entdeckt im Gestrüpp einen Widder. Er nimmt ihn und schlachtet ihn – anstelle seines geliebten Sohnes Isaak – auf dem Altar hier auf dem Berg Morija.
Die Geschichte ausserhalb des Textes weiß zu berichten, dass Sarah, die Mutter nach der Rückkehr Abrahams und nachdem sie von dem Geschehenen gehört hat, sieben Schreie ausgestoßen hat und gestorben ist.
Ihr Mann war bereit, den einzigen Sohn zu opfern. Wie kann eine Mutter das fassen? Am Anfang des nächsten Kapitels wird erzählt, dass Sarah stirbt. So schrecklich können für Menschen Versuchungen Gottes sein.Nachdem Abraham Gott so gehorsam blieb, auch wo Gott ihm so fremd zu sein schien, empfing er dort auf dem Berge Morija eine neue Verheißung. Soweit die Geschichte des Predigttextes.
2.
Können wir diese Geschichte von der Versuchung Abrahams und von der fast vollzogenen Opferung Isaaks lesen und hören, ohne dass wir wie durch ein Fernglas oder in ein Bildnis in die Ferne blicken, 2000 Jahre weiter, und den anderen eingeborenen Sohn, den der Vater lieb hat, sehen, der dann vom Ölberg durch den Garten Gethsemane geht, hin zum Palast des Pilatus und dann nach Golgatha, zur Schädelstätte?
Man legt ihm sein Holz auf, wie es bei Isaak getan wurde.
Er geht und dann wird er auf das Holz gelegt und festgemacht wie es Abraham mit Isaak am Altar dort auf diesen Berg getan hat.
Und dann wird er als das Lamm, das der Welt Sünde und Schuld trägt, dort vor den Toren Jerusalems geschlachtet.
Gibt es einen tieferen Trost für all diejenigen, die ein eigenes Kind hergeben mussten,als der Blick auf diesen Gott, der seinen eigenen Sohn nicht verschont hat und ihn zum Heil der Welt hergab?
Ich weiß keinen besseren Trost. Abraham wurde geprüft, ob er bereit war, Gott sein Liebstes zu lassen, aber dann wurde Isaak verschont.
Jesus, der Gottes Sohn, wurde nicht verschont, sondern in dem Tode hinein gegeben für uns.
Gott selbst, der Vater im Himmel, ging seinen Weg bis zum bitteren Ende und opferte seinen geliebten Sohn.
Da griff kein Engel ein und stellte im letzten Augenblick ein Opfertier zur Verfügung.
Der geliebte Sohn wurde vom Vater nicht verschont.
Weil es um uns alle ging, um die in Sünde verlorene Schöpfung.
Das Böse unter uns Menschen und in uns Menschen muss von innen her aufgedeckt und überwunden werden.
Deshalb ist der Sohn Gottes auf diese Erde gekommen als Mensch in Niedrigkeit. Deshalb hat sich Jesus auf Golgatha unter die Verbrecher am Kreuz hängen lassen. Wir können uns diese Kreuzigung Jesu nicht drastisch genug vorstellen.
Gott ließ Jesus das leiden, was wir Menschen um unserer Schuld ihn gegenüber verdient haben.
„Nun was du, Herr, erduldet, ist alles meine Last; ich hab es selbst verschuldet, was du getragen hast. Schau her, hier steh ich Armer, der Zorn verdienet hat. Gib mir, o mein Erbarmer, den Anblick deiner Gnad“, Paul Gerhardt (EG 85,4).
Gott verschenkte sich selbst in dieser beispiellosen Liebestat. Genauso wie Gott die Menschen in ihr sündhaftes Verhalten hingab und sie dann nicht davon loskamen, genauso gibt er seinen Sohn um der Schuld der Menschen willen der Macht des Todes preis, und Jesus konnte nicht mehr vom Kreuz herunter steigen.
Jesus musste für uns alle sündigen Menschen wegen unserer Schuld sterben und wurde begraben.
An der Kreuzigung Jesu können wir sehen, wie sehr Gott unsere Sünde und Schuld schmerzt und wie es ihn wegen uns fast zereißt.
3.
Der heutige Predigttext gerade jetzt in der Passionszeit will uns helfen, dass wir in der Selbsterkenntnis und in der Gotteserkenntnis wachsen.
Wichtiger allerdings als die Erkenntnis unserer Stellung vor Gott selbst ist die Kenntnis dessen, was Gott damals beim Leiden und Sterben Jesu für uns getan hat. In Gottes Handeln liegt die Gewissheit unseres Heils begründet, nicht in unserer Empfindung und Erfahrung im Leben.
Deshalb kann der Apostel Paulus in dem Ton eines Siegers aufschreiben:
„Was wollen wir nun hierzu sagen? Ist Gott für uns, wer mag wider uns sein? Welcher auch seines eigenen Sohnes nicht verschont hat, sondern hat ihn für uns alle dahingegeben; wie sollte er uns mit ihm nicht alles schenken?“
Unser Gott hat um unsertwillen und für alle Menschen seinen geliebten einzigen Sohn nicht verschont.
Jesus,der Sohn Gottes wurde nicht in letzter Minute wie in unseren Predigttext durch einen Widder ersetzt.
Wo der Apostel Paulus das beschreibt, da hat er die Geschichte von der Opferung des Isaak vor Augen. Wenn wir uns Abraham auf dem Berg Morija am Altar mit seinen darauf gebundenen Sohn anschauen, in dessen Innersten Gott gegen Gott steht, da verstehen wir Gott tiefer.
Und gerade in dieser Passionszeit, jetzt vor Karfreitag, sollen wir im Rückblick auf Abraham auf Jesus Schauen, den Anfänger und Vollender des Glaubens und unser Leben und Handeln aufs neue Bedenken.
Nicht nur bedenken sondern darauf unser ganzes Leben ausrichten.

Und der Frieden Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

Das gesprochene Wort allein gilt!

Keine Kommentare

No comments yet.

RSS feed for comments on this post.

Sorry, das Kommentarfeld ist zur Zeit nicht verfügbar.