Prediger Jens Winkler in der Kirche Guttau/Malschwitz

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Predigtgottesdienst in Guttau am Pfingstmontag

Filed under:Allgemein, Predigten — Jens am 13.06.2011 gg. 08:21

Predigtgottesdienst in Guttau am Pfingstmontag
1 Mose 11, 1-9

Habe sie eigenen Kinder? Oder kennen sie die Kinder in ihrer Nachbarschaft und sehen ihr aufwachsen von klein an mit zu?
Die meisten von uns haben Kinder und wissen,
wie extrem schwierig manchmal es in der Erziehung
der Kinder im Laufe des Erwachsenwerdens sein kann.
Die Eltern und die Großeltern wollen immer nur das Beste für die „Kleine“.
Wenn die Kinder noch klein sind, sind oft kleine Dinge, die einen manchmal nerven und Sorgen bereiten.
Meine Mutter hat über mich immer gesagt:
„Kleine Kinder kleine Sorgen - große Kinder große Sorgen.“
Je größer die Kinder werden, um so mehr Dingen im Leben stellen sich dann ein.
Besonders in der der Zeit der Pubertät im Alter von 14-16 Jahre kann man das Erleben.
Oftmals führt man ein Gespräch über wichtige Dinge des Zusammenlebens in der Familie
und stellt dann darin fest, dass man scheinbar ,
obwohl wir eine gemeinsame Muttersprache haben,
doch in unterschiedlicher Sprache miteinander reden und wir trotz alle gegenseitiger Bemühungen uns nicht verstehen können.
Das Wort von der babylonischen Sprachverwirrung ist sprichwörtlich geworden.
Wir benutzen es immer dann, wenn Menschen mit verschiedenen Worten dasselbe sagen wollen und es nicht bemerken.
Wir benutzen es auch, wenn Menschen mit denselben Worten etwas Unterschiedliches meinen.
»Wir sprechen nicht dieselbe Sprache!«
so sagt man dann oft einmal, wenn das Verstehen schwer und die Missverständnisse zahlreich werden.
Nicht immer ist damit dann unsere Muttersprache gemeint.
Wenn Menschen einander im Konflikt gegenüber stehen, fällt es ihnen schwer eine gemeinsame Sprache zu finden.
Manchmal ist es so schwer, dass ihnen nichts anderes übrig bleibt, als am Ende getrennte Wege zu gehen.
So ähnlich muss es den Menschen beim Turmbau zu Babel damals auch gegangen sein.
Und um die Frage von Verstehen und Nichtverstehen
geht es auch bei den Predigttext des heutigen Pfingstmontags.

1.
Diese alttestamentliche Text beginnt wie ein bei einer alten Geschichte:
“Es hatte aber alle Welt einheitlich in Sprache und Wort.”
Das klingt in der Tat etwas märchenhaft,
weit weg von unserer Zeit, in der die verschieden- sprachigen Völker nebeneinander leben,
manche auch in sogenannten Vielvölkerstaaten.
Nicht wenige Staaten auch heute grenzen sich misstrauisch von anderen ab.
Ist nun das, was die alttestamentliche Geschichte sagen will, weit weg von unserer Gegenwart,
für uns also bedeutungslos?
Schauen wir uns unseren Predigttext genauer an.

Gewöhnlich wird dieser heutiger Predigttext
sogar in der Überschrift in der Lutherbibel –
als die “Geschichte vom Turmbau zu Babel” bezeichnet, jedoch vom Ursprung zu Unrecht.
Da ist ja keineswegs nur vom Turmbau die Rede, sondern es heißt ganz zu Beginn:
“Nun werden wir uns eine Stadt samt Turm bauen”.
Es geht also auch um den Bau einer Stadt.
Beides nun – die Großstadt und ihr riesiger Turm – sollen dazu dienen, dass sich die Menschen,
die Erbauer ihres Ansinnens,
einen Namen machen wollten,
dass sie sich nicht aus den Augen verlieren,
sondern alle zusammen leben können.
Wenn man den Text genau betrachtet,
dann geht es in der Geschichte nur vordergründig um den Turm und die Stadt,
es geht viel mehr aber um das Verhältnis der Menschheit zu Gott, den Schöpfer.
Etwas für die Menschheit – d. h. für alle Menschen – Typisches in ihrem Verhältnis zu Gott soll mit dem Bau der Stadt und des Turms aufgedeckt werden.
Es geht hier in erster Linie um die Einheitlichkeit der Menschheit in Überzeugung, Sprache und Wort,
die Gott zerschlägt,
doch nicht um die Bauvorhaben Stadt und Turm.
Darum beginnt die Geschichte auch mit den Worten: “Es war einmal die ganze Welt einheitlich in Sprache und Wort”, und sie schließt mit dem Satz:
“Dort hat Gott die Sprache der ganzen Welt verwirrt und sie von dort über die ganze Erde zerstreut.”
Darum trifft Gottes Strafgericht auch nicht den Turm oder die Stadt als das zu erschaffenen Bauwerk, sondern die Einheit der Menschheit,
indem Gott die Menschen in Sprachen getrennt über die ganze Erde zerstreut.

2.
Lassen Sie uns vom Text zu verstehen versuchen, warum Gott die Einheit der Menschheit zerschlug.
Kommt uns sein Eingreifen nicht merkwürdig vor, vielleicht sogar anstößig,
gerade auch in der heutigen Zeit,
in der auf vielfältige Weise Frieden und Eintracht innerhalb der Menschheit hergestellt werden soll,
Klingt da die alte Geschichte aus den AT nicht befremdlich, in der Gott selber Uneinheitlichkeit hervorruft?
Wenn es nur um den Bau des Turmes ginge,
dann wäre Gottes Handeln nicht recht verständlich.
Was ist denn daran so schlimm, wenn Menschen ihren Verstand einsetzen und mit Hilfe der Technik gewaltige Bauwerke errichten?
Doch werden in unserer Geschichte nicht Technik und Kultur aufs Korn genommen,
sondern der Umgang der Menschheit mit Technik und Kultur.
In ihrem Umgang damit offenbart sich nämlich das Wesen der Menschheit, ihre Überheblichkeit:
„Alles, so scheint auch für uns heute, ist machbar durch die Krönung der Schöpfung, den Menschen.“
Wir erleben es in unserer Zeit, wohin solche Überzeugung führt.
Einige Stichworte mögen genügen: Umweltprobleme – Unfälle in Kernkraftwerken - Veränderungen der Erbanlagen bei Menschen .
Das überhebliche, die menschlichen Grenzen nicht wahr haben wollende Wesen der Menschheit,
wird in unserer Geschichte mehrfach zum Ausdruck gebracht.
Der Bau eines riesigen Turms ist an und für sich nicht verwerflich;
verwerflich ist aber die dahinter stehende Haltung der Menschen:
Die Spitze des Turms soll “bis in den Himmel reichen”. Mit dem Himmel ist in der Bibel die uns Menschen verborgene und unzugängliche Welt Gottes gemeint. Eine Menschheit, wie sie in unsrer Geschichte gezeichnet wird, meint also tatsächlich,
von sich aus mit Hilfe ihrer Kultur und ihrer technischen Errungenschaften in Gottes Bereich selber vordringen zu können.
Es geht hier also im tiefsten darum,
dass die Menschen Gott gleich sein wollen.

Wenn sie mit dem Turm erst in Gottes himmlische Welt gelangt sind und mit ihm auf einer Stufe stehen,
dann brauchen sie sich von ihm auch nichts mehr sagen zu lassen.
Dann können sie auf sein Wort und seine Gebote verzichten und ihr Geschick selbst in die Hand nehmen.
Unsere Geschichte beschreibt dieses menschliche Streben sehr konkret:
Wir brauchen Gott nicht.
Wir können auch alleine für uns sorgen.
Wir bauen darum eine Stadt und einen riesigen Turm. Die Stadt bietet Wohnraum für uns alle,
und der Turm ist auch von weither sichtbar,
so dass wir immer wieder in unsere Stadt zurückfinden.
Alles ist wohlüberlegt und scheinbar logisch.
Doch lässt Gott die Menschen bei ihrem Treiben nicht gewähren,
denn sie überschätzen ihre Möglichkeiten, wenn sie meinen,
Gott gleich werden und mit ihren Leistung im Leben die Distanz und Kluft zu Gott überbrücken zu können.
Im Grunde versuchen die Menschen,
ein Reich ohne Gott aufrichten, in dem sie selber seinen Platz einnehmen.
Sie sorgen für die Zukunft, sie bauen vor, sie wollen ihre Einheit sichern, aus eigener Kraft und an Gott vorbei. Dabei verdrängen sie die Tatsache, dass sie nur Menschen, Geschöpfe Gottes, sind, die Gott nötig haben.
In Gottes Augen befinden sich die Menschen in einem verhängnisvollen Irrtum, wenn sie meinen, ohne ihn auskommen zu können.
In Gottes Augen ist das Vorhaben der Menschen lächerlich.
Sehr bildhaft wird in unserer Geschichte davon gesprochen,
dass Gott aus seiner himmlischen Welt “herabsteigen” muss, um den Turm und die Stadt überhaupt sehen zu können.
Das bedeutet nun nicht, dass Gott kurzsichtig ist, sondern dieser Zug soll uns anschaulich machen,
wie lächerlich das menschliche Streben ist,
sein zu wollen wie Gott, ja zu meinen,
mit dem allmächtigen Gott auf einer Stufe stehen zu können.
Gott muss “herabsteigen”, um den “Riesenturm” überhaupt wahrzunehmen.
Und sie macht damit zugleich noch etwas anderes klar, auf das wir gleich noch zurückkommen:
Wenn das Verhältnis Gott–Menschheit enger werden soll, dann geschieht das nicht so,
dass wir Menschen Gott durch ein bestimmtes
und sei es noch so ausgeklügeltes – Tun näher kommen,
sondern es geschieht allein so, dass Gott “herabsteigt”, dass er selber von sich aus auf uns Menschen zukommt.
Nur Gott, der Schöpfer selber kann die Distanz seiner Menschheit durch die Sünde entstanden ist zu ihm überwinden.
Dieser dadurch entstandene Kluft ist für uns Menschen nicht überbrückbar.
3.
Die Geschichte endet damit, dass Gott dem irrigen Treiben der Menschen ein Ende bereitet, indem er ihre bisherige Einheitlichkeit zerschlägt.
Aus Güte und Liebe zu seiner Menschheit sieht Gott sich zum Eingreifen genötigt,
wie es in unserem Text heißt: “Ja, sie sind ein einziges Volk, denn sie haben eine Sprache, und dies ist nur der Anfang ihres Handelns.

Nun wird ihnen nichts mehr unmöglich sein von dem, was sie sich zu tun anmaßen.
Nun wollen wir hinabsteigen und dort ihre Sprache verwirren, dass keiner mehr die Sprache des anderen verstehe.
So zerstreute sie Gott von dort über die ganze Erde, und sie mussten aufhören, die Stadt zu bauen.”
Gottes Strafgericht hängt mit seiner Sorge um seine Menschheit zusammen, es ist ein vorbeugendes Gericht.
Eine Menschheit, die über ihren Schöpfer meint,
ohne Gott auskommen und seinen Platz einnehmen zu können,
muss vor dem Ausleben dieser Fehleinschätzung bewahrt werden.
Gott zerschlägt darum die Einheit der Menschheit und erschwert die Gespräche untereinander,
um künftiges menschliches Handeln gegen ihn oder an ihm vorbei zu erschweren.
In der Geschichte der Welt finden wir Beispiele genug,
wie eine Gesellschaft ohne Gott aussieht,
in der man etwa das Paradies auf Erden mit menschlichen Mitteln herstellen zu können meinte, denken wir nur an den versuch des Kommunismus/Sozialismus hier bei uns.
In einer solchen Gesellschaft ist es mit der Freiheit des Einzelnen vorbei, und die verordnete Einheitlichkeit ist nur mit polizeilicher Gewalt und Gesinnungsterror aufrecht zu erhalten.
Nur eines kann die Menschheit retten: Dass Gott, der Schöpfer und Herr der Welt – wie es unseren Text plastisch zum Ausdruck bringt – “herabsteigt”
und die Distanz von uns Menschen zu ihm von sich aus überwindet.
Und das hat Gott Selbst getan, wie es uns in seiner Schrift berichtet wird.
In seinem Sohn Jesus Christus – das ganze Neue Testament handelt davon – ist Gott uns Menschen ganz nahe gekommen.
Jesus Christus hat einen Jüngerkreis um sich gesammelt, zu dem er von Gottes Barmherzigkeit und Menschenliebe,
aber auch von Gottes Gericht und unserer Verantwortlichkeit Gott gegenüber gesprochen hat.
Für uns Menschen – für unsere Gottesferne entstanden aus unser Schuld und Sünde,
und unseren menschlichen Widerstand gegen eine höhere Instanz, gegen Gott selber –
hat Christus dann gelitten und sein Leben am Kreuz auf Golgatha hingegeben, stellvertretend für uns alle um unserer Schuld und Sünde.
Gott hat sein Opfer angenommen und seinen ihm bis in den Tod gehorsamen Sohn von den Toten auferweckt – uns Menschen zur Hoffnung in einer verlorenen Welt.

Der Auferstandene ist seinen Jüngern erschienen und hat ihnen Glauben an sein neues, unvergängliches Leben geschenkt.
Bevor er “in den Himmel”, d.h. zu seinem himmlischen Vater ging, hat Christus seinen Jüngern versprochen, dass er ihnen den Heiligen Geist senden werde.
Durch dieses unsichtbare Band ist der zu Gott erhöhte Christus mit seinen Jüngern und allen nachfolgenden Christinnen und Christen verbunden und nahe.
Das Kommen dieses Geistes feiern wir am heutigen Pfingstfest, dem Geburtstag der Kirche.
Wenn wir die Pfingstgeschichte und die Geschichte vom Turm und der Stadt miteinander vergleichen,
dann entdecken wir, dass die Pfingstgeschichte im Grunde die Gegengeschichte zur Erzählung vom Turm- und Stadtbau ist.
Ging es in dieser um die Sprachverwirrung,
also um die Zerschlagung der in Gottlosigkeit anstrebenden Einheit der Menschheit,
so geht es in der Pfingstgeschichte um eine neue Einheit der Menschen unterschiedlichster Herkunft und Sprachen,
doch nicht mehr gegen, sondern mit Gott.
Durch das Wirken des Gottesgeistes heute,
durch den Glauben an Jesus Christus, den Sohn Gottes,
werden weltweit Menschen geeint, zusammengeführt, haben sie etwas, das sie im Tiefsten verbindet, können sie einander verstehen. Juden, Asiaten, Ägypter, Griechen und Römer werden in der Pfingstgeschichte genannt.
4.
Die “heilige christliche Kirche”, zu der wir uns im Glaubensbekenntnis bekennen, ist nichts anderes als eine weltweite Gemeinschaft von Menschen unterschiedlichster Herkunft und Sprachen,
die durch den gemeinsamen Glauben an Gott und Christus zusammengeführt und zusammengehalten werden.
Gott hat der Menschheit Maßstäbe angelegt,dass sie sich nicht grenzenlos von ihm fortentwickeln kann:
Das ist die Aussage der Geschichte vom Stadt- und Turmbau.
Mit der Kirche als die Gemeinde ,
also der Gemeinschaft der Christen,
hat Gott der Menschheit – auch uns hier zum Gottesdienst Versammelten – einen Weg eröffnet,
im Heiligen Geist, d.h. in der glaubenden Verbindung mit ihm und nicht an ihm vorbei,
durch die Zeit zu gehen bis in die Ewigkeit.
Das ist die Aussage der Pfingstgeschichte.

Amen.

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