Prediger Jens Winkler in der Kirche Guttau/Malschwitz

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11.So.n.Trin.

Filed under:Allgemein, Predigten — Jens am 03.09.2011 gg. 16:39

11.So.n.Trin.
Predigtgottesdienst in Quatitz
Matth 21,28-32

Gnade sei mit euch und Friede von Gott unseren Vater und unseren Herrn Jesus Christus. Amen.

Wer Kinder hat, kennt das Spiel in der Familie schon.
Da kommt der Vater mit einer Bitte um Erledigung zu eines der Kinder.
Oftmals sind es Kleinigkeiten, um die es dabei geht.
Den Müll aus der Wohnung bringen, die Zeitung holen, bei der Oma im Garten den Rasen mähen.
Meisten bekommt man zur Antwort auf sein Anliegen:
„Vater, das mach ich gleich“
Aber dabei bleibt es auch. „JA“-Sager und „Nein“ Tuer.
Die Erledigung des Auftrages durch die Kinder bleibt aus und manchmal fragt man sich dann,
was denn aus dieser Jugend so werden soll.
Doch waren wir in unserer Jugend besser?
Auch unter uns waren die einen folgsamer,
die anderen weniger einsichtiger.
Und ob das früher wirklich so gut war, dass die Erziehung weitaus strenger war als heute?
So ähnlich vielleicht mit den selben Gedanken scheint es den Vater hier in unseren Gleichnis ebenfalls zu gehen.
Doch Jesus erzählt dieses Gleichnis nicht,
um auch heute uns Eltern noch deutlich zu machen, was bereits seit vielen hundert Jahren sich in der Beziehung Eltern-Kind abspielt.
Vielmehr hat Jesus diese Alltagsszene erzählt, damit wir das Geheimnis des Reiches Gottes entdecken.

1.
Doch zurück zu unseren Predigttext.
Jesus wollte hier keine Nachhilfe geben,
als er den Hohenpriestern und den Ältesten damals in Jerusalem dieses Beispiel aus dem Leben erzählt hat.
Sie selber, die zuhörende Jerusalemer Oberschicht,
waren mit diesem Gleichnis gemeint.
Und sie haben über sich selber ihr Urteil gesprochen,
indem sie der Rede Jesus zustimmen,
dass es nicht allein aufs Reden,
sondern aufs Tun und damit Handeln danach ankommt.
Sie, die Schriftgelehrten und Priester, sind die Ja-Sager und Nein-Tuer.
Aber die am Rande der Gesellschaft, auf die sie von ihrer scheinbaren oberen Position herabsahen,
und die eigentlich mit Gott nichts zu tun hatten
die ursprünglichen Nein-Sager also –
die tun seinen Willen, Gottes Willen am Ende doch.
„Die Zöllner und die Huren kommen eher ins Reichs Gottes als ihr.“
Begonnen hatte jener Tag von den unserer Predigttext berichtet, mit der Vertreibung der Händler vom Tempelgelände.
Und mit diesen harten Worten lässt Jesus schließlich die Zuhörer dort stehen.
Dass dieses sich dann ein paar Tage später überlegen, wie sie ihn aus dem Weg schaffen könnten, ist eigentlich gut zu verstehen.
Wie kommt Jesus dazu, ein solches hartes Urteil zu fällen?
Das müssen wir uns auch deswegen fragen,
weil wir Kirchgänger heute morgen ja eindeutig eher den Frommen in Jesu Gleichnis und nicht mit den anderen am Rande der Gesellschaft vergleichbar sind.
Die jüdischen Oberen in Jerusalem,
die hier so harte Worte hörten, waren mit Ihren Leben durchaus gestandene und ehrbare Männer.
Da waren auf der einen Seite die mehr für die Politik zuständigen „Hohenpriester und Ältesten“,
die mit anderen zusammen den Hohen Rat bildeten.
Und auf der anderen Seite die für das religiöse Leben verantwortlichen „Schriftgelehrten und Pharisäer“.
Die Schriftgelehrten waren sehr bewandert in der Schrift (Tora) und in den alten Überlieferungen und taten gewiss auch das, was ihnen darin vorgeschrieben war.
Der rechte Glaube an den Gott ihrer Väter lag ihnen am Herzen.
Auch die Pharisäer waren besonders eifrige und fromme Leute, denen man ihre Redlichkeit auf keinen Fall absprechen konnte.
Sie geben ihrem Gott die Ehre, so wie der eine Sohn, der seinem Vater ehrerbietig und ohne Zögern Gehorsam verspricht.
Wie kann ihnen Jesus vorwerfen, dass sie zwar ja, ja sagen, aber Gottes Willen nicht tun?
Zum einen vielleicht, weil sie in seinen Augen letztlich Gottes Liebe nicht leben:
Sie sehen herab auf jenen anderen Menschen,
die am Rande der Gesellschaft stehen.
Heute würden wir dazu Menschen mit schwieriger Herkunft sagen
Sie sind für sie geradezu nicht vorhanden und sie sehen über sie hinweg.
Ja genau genommen noch mehr:
Weil sie nach ihren eigenen strengen Maßstäben
nicht an Gott glauben,
und weil sie von ihrer Standpunkt ein moralisch gesehen sehr zweifelhaftes Leben führen,
werden sie nach deren Meinung überhaupt nie vor Gott mit ihren Leben bestehen können.
Sie sind abgeschrieben.
Das steht für die Pharisäer und Schriftgelehrten jetzt schon fest.
Die Welt dieser jüdischen Männer ist in Ordnung.
Wer gut und wer böse ist, steht fest und bleibt fest in ihrer Denkweise und ihren Ansichten.
Den Ausgang des jüngsten Gerichtes dereinst wie es in der Schrift beschrieben ist, kennen sie schon.

Und noch ein zweites unterscheidet diese ehrbaren Männer von den Zöllnern und Dirnen; und das ist wohl das Ausschlaggebende:
Sie sehen in diesen Jesus von Nazareth nur den Störenfried, den Provokateur, den anderen ,
der die fein ausgeklügelte gesellschaftliche und religiöse Ordnung im dem von den Römern besetzten Land durcheinanderbringt.
Sie können nur taktisch mit ihm umgehen und übersehen dabei das Wichtigste,
dass in diesem Jesus Gott selber sich ihnen zuwenden will.
Gott ist nicht zu finden im strengen Einhalten von Geboten und Verboten, sondern in diesem Jesus. Zugespitzt gesagt:
Man achten auf den papierenen Gott,
übersehe aber den lebendigen.

Und der in diesem Jesus erlebbare Gott war gerade den Außenseitern der Gesellschaft wichtig.
Nur durch ihn konnten sie, die Zöllner und Dirnen, mit Gott überhaupt noch etwas anfangen.
Sie waren nicht Gott gläubig im damaligen und auch nicht im heutigen Sinne,
da braucht man gar nicht drumherum zu reden.
Sie waren auch moralisch gesehen überhaupt keine Engel, keine leuchtendes Beispiel.
Aber wie sollten sie auch eine gute Meinung von Gott haben, wenn die Priester, die Theologen und die Frommen sie nur ablehnten und verurteilten.
Wie will man etwas anfangen mit einem Gott,
von dem man dauernd nur hört, dass er einen ja sowieso schon längst abgeschrieben hat?

Das hat sich erst durch Jesus geändert:
Er hat sie nicht abgeschrieben,
er hat sie nicht verurteilt,
er hat sie nicht abgelehnt.
Der kleine Zöllner und Betrüger Zachäus z.B. wollte Jesus sehen, stieg deswegen auf einen Baum und machte sich dadurch zum Gespött der Leute.
Zu ihm kehrt Jesus zum Essen ein und gibt ihm dadurch die Ehre.
Von den Frommen, die sich wohl auch gerne mit Jesu Anwesenheit geschmückt hätten, muss er sich anhören, dass man das nicht tut.
Oder nehmen wir das Zusammentreffen Jesu mit jener verheirateten Frau, die man im Ehebruch ertappt hat und zu Jesus führt:
Er verurteilt ihr Tun, aber er verurteilt sie nicht,
er schreibt sie nicht ab, sondern er fragt nur,
ob vielleicht jemand von diesen Frommen,
die die Frau her zerren, ohne Sünde sei.

Noch einmal: Dass Jesus sich mit diesen Außenseitern der Gesellschaft abgegeben hat, bedeutet nicht,
dass er ihren Lebenswandel und ihr Tun auch für recht gehalten hätte.
Jesus hat ihr Tun schon beim Namen genannt,
aber er hat sie als Menschen, als Geschöpfe Gottes akzeptiert.
“Geh hin und sündige hinfort nicht mehr”, hat er zu der Frau gesagt.
Und der Zöllner Zachäus hat sich, durch die Begegnung mit ihm verwandelt, bereit erklärt, was er den Leuten systematisch an Zoll zuviel verlangt hat, nun vierfach zurückzuerstatten.
Aus dem ursprünglichen Nein-Sager ist durch die Begegnung mit Jesus ein Ja-Tuer geworden.
Der zuvor sein Leben ohne Gott gelebt hat,
hat nach der Begegnung mit Jesus sein Leben gewandelt und tut nun, was vor Gott recht ist.
Er gleicht dem ersten Sohn, der auf die Bitte seines Vaters nein sagt, dann aber bereut und doch seinen Willen tut.
Umkehr zu Gott , dass ist das Ergebnis in der Begegnung mit den Auferstandenen.

Wo sind nun unter uns die Ja-Sager und Nein-Tuer, also die, die eilfertig ihren Glauben bekennen,
aber dann doch nicht tun, was Gott will?
Wo sind die Nein-Sager und Ja-Tuer,
die mit Gott erst einmal nichts anfangen können,
aber dann doch Gerechtigkeit und Liebe üben?
Wem gilt Jesu Gleichnis im Guten wie im Bösen?

Wir möchten, den damaligen Frommen gleich,
auch gern die Menschen um uns herum einteilen in gute und böse, in fromme und nicht fromme.
Wir möchten gerne wissen, wer die Bösen und Guten im Gleichnis und wer die Bösen und Guten heute sind. Und das Ergebnis ist ja meistens:
Wir die Guten. Die anderen die Bösen.
Jesus ordnet eben nicht ein, er legt Menschen mit ihren Handeln im Leben nicht fest.
Er gesteht einem jeden Menschen zu, dass er sich zum Guten hin ändern kann, dass ihn sein „alten und bisheriges Leben reuen kann.
Ein neues Leben,das von einer Umkehr hin zu Gott und den lebendigen Glauben geprägt ist.
Wenn einer mit Gott nichts anfangen kann,
muss das nicht so bleiben.
Und der, der sich sehr selbstverständlich unter die Glaubenden rechnet, muss achtgeben,
dass sein Glaube an Gott nicht zur reinen Routine und der Gottesdienstbesuch zur guten Gewohnheit wird.
Glaube muss lebendig bleiben und sich auch im Laufe wandeln und verändern lassen.

Alle ohne Ausnahme müssen wir uns bei diesen harten Worten Jesu in der Stille an uns selber prüfen:
Wo sind wir im Leben und im Glauben Ja-Sager und Nein-Tuer.
Wie viele Jas werden vor Gott ausgesprochen,
wie viele Glaubensbekenntnisse werden gebetet,
und bleiben dann doch nur Lippenbekenntnisse,
weil die Taten den Bekenntnis nicht folgen?
Und andererseits:
Beschämen uns gar viele Menschen in unseren Leben, die zu Gott und zu Jesus nein sagen,
die aber in ihrem Tun, in ihrem Eintreten für Gerechtigkeit und Frieden uns Christen vorangehen?
Ja-Sager und Ja-Tuer, die wären in der heutigen Zeit gefordert:
Menschen, bei denen das Reden und Handeln zusammen stimmen in ihren Leben.
Menschen, die aus dem Glauben an Gott heraus sich für Glauben, Gerechtigkeit, Frieden und die Erhaltung der Schöpfung einsetzen.
Menschen auch, die sich wie Jesus um Außenseiter kümmern und sie nicht abschreiben.
Menschen, die ihren erlebten Glauben als Zeugen weitergeben.
Tröstlich ist für mich das Ende der Worte Jesu:
Es heißt, Zöllner und Dirnen, die ihr Leben geändert haben, würden den Frommen und Ehrbaren ins Himmelreich vorausgehen; es heißt nicht, dass die anderen nicht hineinkämen.
Die Reihenfolge kann ich getrost der Gnade Gottes überlassen.
Wundern werden wir uns eh, wem wir bei Gott einmal alles begegnen werden. Amen

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