Rogate Math 6,5-15
Math 6, 5-15 Guttau
Predigtgottesdienst
Viele Menschen in unserer heutigen Zeit beten.
Viele in Situationen der Angst und der Not.
Wenigere jeden Tag beständig.
Doch so viele Gebete werden offenbar nicht erhört. Warum? Hört Gott nicht? Gibt es überhaupt eine Antwort auf mein Beten?
Und wenn ja, kann er ein Bittgebet erfüllen?
Kann er dies ? Und warum?
Wie beten wir richtig zu Gott ?
Manche von uns werden an die Kindergottesdienst in unserer Kindheit und an den unserer eigenen Kinder denkt, dann erinnert man sich immer der Worte der Helferin, die es so beschrieb:
„Händchen falten, Köpfchen senken und an den lieben Heiland denken.“
„Beten ist Reden mit Gott und Hören.“ so hab ich es in einen Lied der Jungen Gemeinde gesungen.
Wie will Gott unser Gebet haben?
In unseren heutigen Predigttext gibt Jesus Antwort auf einige der Fragen.
Wir sollen mit unseren Beten kein Heuchler sein, der mit frommem Niederschlagen der Augen öffentliche Gebete verrichten um vor anderen in der Kirche und den anderen Menschen gesehen zu werden.
Beten ist offenbar etwas, bei dem Zurückhaltung geboten ist, eine Herzensangelegenheit, eine Sache für das “Kämmerlein”, wo ich mit Gott allein bin.
Das Gebet ist das Verborgene, es kann nicht öffentlich sein, weil es um ein Zwiegespräch geht und von der Stellung des Herzens und des Lebens bestimmt ist.
Es ist auch dann nicht öffentlich, wenn es in der Öffentlichkeit miteinander im Gottesdienst geschieht.
-1 -
Ein erster Gedanke, der mir beim lesen des Textes gekommen kam, ist der Gedanke, dass man durchaus mit einem “Lohn ” fürs Beten rechnen kann.
Heißt es nicht in unseren Text:
“dein Vater, der in das Verborgene sieht, wird dir’s vergelten.”
Warum soll sich denn auch Gott, den wir ” Unseren Vater im Himmel” nennen, nicht freuen, wenn seine Kinder zu ihm kommen mit ihren Sorgen, ihren Wünschen, ihren Bitten und auch mit ihrem Lob und ihrem Dank?!
Und warum soll er den nicht belohnen, dass einer sich an ihn wendet?
Ist es nicht schön zu wissen, dass unser Vater im Himmel das rechtes Beten und Reden mit ihm auch mit Güte vergelten will?
Sicher ist hier nicht gemeint, dass Gott uns all unsere Bitten erfüllt, worum wir ihn anrufen.
Das ist eine andere Sache.
Aber schon dass wir ihn bitten, der soll seinen Lohn bekommen.
Ich habe solchen “Lohn” des Beten und Reden mit Gott schon oft gespürt:
Und wenn ich im Gebet - angesichts einer Aufgabe im Beruf oder einer wichtigen Entscheidung für den weiteren Lebensweg, die mir große Sorgen machte - nur ruhiger geworden bin und getrösteter in die Zukunft des Lebens schauen konnte.
War das kein Lohn?
Oder ist es nicht schon sehr tröstlich, wenn mich etwas in meinen Leben bewegt, umtreibt und beschäftigt in meinen Gedanken, wenn ich dies Gott gesagt, dem Vater im Himmel anvertraut zu haben?
Ist das nicht auch “Lohn”?
Viele hier sind auch schon so belohnt worden, wenn sie sich im Gebet an Gott gewandt haben.
Ich stehe da sicher nicht allein mit dieser Glaubenserfahrung, die viele schon gemacht haben.
Und ein weiter Hinweis steht in unseren Predigttext.
Und wir sollen es kurz machen mit unseren Gebeten, nicht “plappern wie die Heiden”.
Wie groß ist die Versuchung bei Gott mit vielen Worten etwas zu erreichen, was eigentlich unser eigener, menschlicher Wille ist, wie wir meinen, dass es zu sein hat!
Wir sollen Gott nicht zu bereden/ überreden versuchen, wie wir es mit den anderen Mitmenschen machen.
Bei Menschen mag das stimmen:”Den kriege ich schon herum, wenn ich nur lange genug auf ihn einrede!”
Bei Gott erreiche ich damit nichts.
Nicht die vielen Worte gelten vor ihm, sondern die Einsicht, dass Gott einen Willen hat, allemal weitsichtiger, größer und besser als mein eigener.
-2 -
Und ein zweiter Gedanke ist mir beim diesen Text gekommen:
„Dein Wille geschehe!“
Drei Wörtchen nur, aber - wenn sie ernsthaft gemeint sind - liegt der ganze Sinn allen rechten Betens darin: Ich gebe mich voll Vertrauen und Glauben in Gottes Hand, er tut mit mir, was er will und was mich auf den Weg des Glaubens weiter bringt und durch diese Welt trägt, die so viele Möglickeiten einen bietet, den Weg Gottes zu verlassen !
Dein Wille geschehe - drei Wörter nur, aber sie gehören ans Ende eines jeden Gebetes.
Und wir sollen Vertrauen haben: “Euer Vater weiß, was ihr bedürfet, ehe denn ihr ihn bittet.” heißt es im Predigttext.
Wohlgemerkt, “was ihr bedürfet”, nicht was wir uns wünschen und was unsere Vorstellungen sind.
Das ist zweierlei!
Als Kind wünschte ich mir immer, einmal reich zu sein und berühmt zu werden.
Dessen “bedurft” habe ich nicht, das weiß ich heute.
Und doch: Wie sehr habe ich es mir einmal gewünscht! Und welchen Wünschen haben andere Menschen?
Haben sie nicht auch eine andere Lebensweg genommen, als sie es sich einmal als Jugendlicher erträumten und in ihren Wünschen ausmalten?
Und war es nicht gut so, wie es kam?
Wir sollen Vertrauen haben!
Gott weiß, was wir wirklich brauchen, noch ehe wir anrufen und zu ihm beten.
Deshalb ist nun nicht jedes Gebet eigentlich sinnlos: “Gott kennt ja doch schon den besten Weg für mich; warum also noch bitten?”
Gott hört durchaus unsere Wünsche.
Er erfüllt sie aber nicht alle.
Sollte uns der “Vater” im Himmel denn erfüllen, was uns ins Unglück führt gegen sein besseres Wissen? Aber sagen wir sie ihm ruhig unsere Wünsche!
Es kann dann im Gebet geschehen und haben sie es nicht auch schon erlebt,dass Gott uns seinen Willen zeigt und uns Antwort gibt auf unsere Wünsche und wir begreifen:
Sein Wille ist besser für mich!
“Der Vater weiß, was ihr bedürfet, ehe denn ihr ihn bittet”
Mir wird über diesem Wort noch etwas anderes klar: ‘Bitten’ und “Wünschen” sind vielleicht gar nicht das wichtigste an unserem Beten.
Könnte denn nicht auch Loben und Danken der Inhalt unserer Gebete sein?
Freuen wir uns denn nicht auch daran, wenn man uns Dank sagt?
Wenn die Kinder einen Danke sagen wegen eines Geschenkes zum Geburtstag oder den Feiertagen.
Sollte Gott sich nicht auch über dankbare Kinder freuen?
Nehmen wir es doch auch da einmal ernst, dass wir vom den himmlischen “Vater” reden.
Der Vater hat ganz gewiss Freude daran, wenn wir “Danke” sagen, denn er hört es selten genug.
Achten wir doch einmal darauf, wie viel wir bitten und wie wenig wir danken in unserem Gebet.
Wie beten wir richtig?
Ich glaube, die Worte Jesu sagen dazu schon eine Menge:
Nicht wie die Heuchler, sondern in Kämmerlein.
Ohne Schau, aber durchaus nicht ohne Lohn.
Nicht viel Gerede, sondern im Blick auf das Wesentliche:
Dass der Wille Gottes geschieht.
Unsere Wünsche getrost vortragen, aber dann Vertrauen haben, dass der Vater besser weiß, was ich wirklich brauche und es am besten mit mir meint. Und schließlich - nicht zuletzt! - bei all den Bitten und Wünschen auch einmal sagen: Habe Dank, mein Gott!
Beten ist die stärkste evangelische Freiheit.
-3 -
Und dazu hat uns Gott in seinen Worte der Schrift das „Vater, unser..“ gegeben.
Wer das „Vater unser…“ betet, wird frei, sich glaubhaft in seinen Glauben zu stellen und in ihm im Geiste Gottes zu handeln.
Zu welcher Freiheit führt uns dieses Gebet, das „Vater, unser im Himmel….“
a) Wer es betet, wird frei sich selbst gegenüber.
Nicht mein Name, sondern dein Name
Nicht mein Wille, sondern dein Wille
nicht mein, sondern dein Reich, Kraft und Herrlichkeit
Dieses Gebet gewährt einen Blick auf uns und dieser Blick geht kritisch mit uns um.
Er lässt uns erkennen, wie wir als Geschöpfe Gottes wirklich. Gefallen durch die Macht der Sünde seit Adam und Eva und rettungsbedürftig allein aus der Gnade Gottes heraus und durch die Tat Jesus am Kreuz auf Golgatha sind
Gnade allein ist es, die uns zum Glauben führt.
b) Wer es betet. wird frei gegenüber den Mächten der
Welt
Diese Gebet ist Prüfstein für unsere Glauben.
Was tun wir, wenn wir es beten für uns, für andere.
Beten wir im Namen Jesus Christi oder beten wir allein für uns.
Aber wir beten es immer wieder in unseren Gottesdienstes gemeinsam während der Liturgie oder alleinzu Hause zur Andacht.
Es lässt uns mit den dreieinigen Gott eine Hoffnung und Zuversicht erleben, die hindurch dringt und trägt ein Leben lang.
Gott will mit uns sein und sucht die Begegnung mit uns um der Erkenntnis seiner Gnade und des Glaubens an ihn willen
c)Wer es betet, wird frei zu Gemeinschaft der
Gläubigen
Wer das „Vater unser …“ betet, der tut dies nicht nur für sich allein, sondern auch für andere Menschen .
Menschen, die mit einen den gemeinsamen Weg des Glaubens gehen und die den Gottesdienst mit feiern.
Man steht mit diesem Gebet nicht allein vor Gott, sondern mit anderen Menschen, die ebenfalls Gott anbeten und ihn ihr Leben anvertraut haben.
Wir haben Gemeinschaft im Glauben und in seinen Geist miteinander.
Oft kenne ich sie nicht, aber sie stehen genauso vor Gott mit leeren Händen wie ich.
Sie sind getragen von der Schuld Gott gegenüber und wissen, das sie allein aus der Gnade Gottes herausgerufene sind wie ich durch seinen Sohn Jesus Christus.
Berufene durch die Tat Jesus Christus am Kreuz auf Golgatha in den Glauben an den Vater .
Beten ist Reden mit ihm, den Anfänger und Vollender unseres Glaubens und Schöpfer dieser Welt
Das Beten trägt einen Gläubigen in der Hoffnung des Glaubens sein ganzes Leben hindurch.
Mehr über das Beten erfährt der, der es täglich praktisch übt, indem er tut, wozu uns der Name dieses Sonntags auffordert:
Rogate! Betet!


