Prediger Jens Winkler in der Kirche Guttau/Malschwitz

Bibel - Gottes Wort - Errettung - Gottes Sohn -Jesus Christus -Leben - Glauben

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Prädikantenweihe Lukas 2,22-35 Lichtmess

Filed under:Allgemein, Predigten, Archiv — Jens am 02.02.2008 gg. 14:21

Einführungsgottesdienst als Prädikant in der Kirche Guttau
Tag der Darstellung des Herrn / Lichtmess 02.02.2008
Lukas 2, 22-35

Kann man eigentlich zwei Mal in den selben Fluss steigen?
Mit dieser Frage möchte ich beginnen.
Nein, denn das Wasser dieses Flusses ist in Bewegung.
Genauso wie unser Leben in Fluss und in Bewegung, im Werden und Vergehen ist.
Das Wasser ist wie das Leben.
Auch unser Leben ist in der Gegenwart und jetzt erkennbar. Manchmal meint man, Entscheidung und Ereignisse, die man in seinen Leben getroffen und erlebt hat, umzukehren, sie weg zutun und vergessen machen können.
Aber es geht nicht. Sie sind wie der Fluss, indem man nicht zwei steigen kann.
Sie sind Punkte und Markierungen des Verlaufs.
Unsere Vergangenheit verschwimmt in den Erlebnissen und Erinnerung. Unsere weitere Lebensweg und dessen Planung sind oft noch verschwommen und unklar.
Dass er lebendig sein wird, glauben und wissen wir.
So ist es auch mit den Festen im Kirchenjahr, die wir in unseren Gottesdiensten feiern.
Da ist Advent, die Vorfreude auf die Geburt unseren Herrn, Weihnachten als Fest der Geburt und Ephiphanias, die Erscheinung der Weisen.
Heute feiern wir in diesen Gottesdienst Tag der Darstellung des Herrn /Lichtmess.
Dafür steht auch die Kerze als Licht. Die Kerze symbolisiert Jesus Christus, das Licht, dass in der Finsternis leuchtet und dabei sich selbst verzehrt.
Es sind überhaupt die Gegensätze, die unser Leben so oft bestimmen und es prägen.
Solche Ereignisse stellen einen festen Punkt in den Lauf dar, der einen Lebensabschnitt markiert.
Solch einen Abschnitt hat auch der Simeon Im Tempel in Jerusalem erlebt, wie uns hier im Lukas-Evangelium berichtet. Wenn wir noch einmal an dieses Ereignis im Tempel denken, dann wird es uns sicher allen deutlich:
Das sind sehr passende Worte für uns heute, so leise , so ohne besonderen Anspruch und doch tragend.
Maria und Josef, das Kind und der alte Simeon sind im Tempel versammelt. Und das Ganze wird bestimmt von der großen Freude des alten Mannes über das Kind, den Heiland Gottes.
Diese ganz Geschichte ist ein Grund selbst einmal darüber nachzudenken, unser Leben zu sehen und dort die Freude wahrzunehmen, die Freude, die wir über dieses Kind, den Sohn Gottes, den Retter der Welt und unseren persönlichen Erlöser empfinden. -
Aber was ist es, was uns freut?
Ist uns jetzt nach Jubeln und Singen ?
Oder doch wenigstens danach, dieses Kind in die Arme zu nehmen, wie der Simeon damals im Tempel und aus tiefster Seele zu bekennen:
Meine Augen haben den Heiland gesehen!” -

Das Warten
Simeon wartet auf Trost. Er erwartet Ermutigung und Zuspruch für den Glauben. Er wartet auf Trost.
Dort wo man Trost findet, ist man zu Hause.
Viel erfahren wir nicht von Simeon.
Er selbst ist gar nicht so wichtig, sondern seine Erwartung des Kommenden.
Simeon ist ein Frommer seiner Zeit damals.
Er ist fromm, er glaubt an Gott und ist wohl schon alt.
Ist warten nur ein Thema für alte Menschen?
Steht nur auf dem Wunschzettel von Senioren ganz oben: Trost?
Wie jung muss ich sein, um auf Trost zu warten?
Alt braucht man dazu nicht sein..
Ohne Trost kann man nicht leben.
Trost findet man nicht im Alkohol, in Tabletten oder in der Sucht – sie betäuben und stürzen uns dann in eine noch tiefere Nacht.
Trost ist nicht beim Arbeiten bis zum Umfallen zu finden.
Trost ist keine Flut von nichts sagender Worte.
Trost ist eine Salbe auf eine schmerzende Wunde.
Trost ist wie eine sanfte Hand auf der Schulter, die uns zur Ruhe verhilft uns zuhört und mit trägt.
Trost ist wie ein gütiges Gesicht in unserer Nähe.
Gott spricht: Wie eine Mutter ihren Sohn tröstet, so tröste ich euch. Jesaja 66,13.
Simeon wartet darauf in Frieden sterben zu können.
Auf den Tod wird in unserem Alltag wenig gewartet, es wird geradezu als nichtreales Ereignis abgetan.
Simeon wartet auf den Trost Israels.
Simeon wartet auf den Trost im Leben und im Sterben. Er wartet auf einen, den er noch nicht kennen kann, aber von dem er sich ganz sicher ist, dass er diesen Trost bringen wird, der alle Tränen wegtut.
Und Gott lässt manchmal lange auf sich warten.
Mein alltägliches Warten ist ein kleines Warten. Simeons Warten ist ein großes Warten:
Er wartet auf den Trost der Welt, auf den Zuspruch: „Fürchte dich nicht, denn ich bin bei dir.“, er erwartet den dafür Auserwählten, dass Sterben einen Sinn bekommt.

Der Simeon hat sein Leben lang gewartet.
Worauf lohnt es sich für uns zu warten?
Worauf lohnt es sich für dich ein Leben lang zu warten?
Worauf lohnt es sich, mein Leben und dessen Lebenssinn und Inhalt auszurichten?
Mein Leben soll doch nicht nur aus Warten bestehen - wenn ich ein Ziel im Lebensabschnitt erreicht habe, dann auf das nächste Ziel warten und schnell zum nächsten Punkt weiter - warten auf den Schulabschluss, auf den Ausbildungsplatz, auf das Studium, auf den Beruf, auf die Beförderung, auf den Rentenbescheid.
Warten auf die Frau des Lebens, auf die Kinder, auf das Haus, auf den Urlaub.
Warten, warten und morgen lebe ich dann, morgen, ja morgen. Warte ab, morgen!
Der Bibel geht es um eine ganz grundsätzliche Erwartung meines Lebens.
Worauf Simeon alles gewartet hat, wird uns nicht erzählt, aber wir erfahren von seiner großen Sehnsucht im Leben, von seiner großen Lebenserwartung.
Er will wissen, dass Gott in die Geschichte seines Lebens gekommen ist.
Er will sehen, dass Gott da ist.
Er will erfahren, dass es einen Trost gibt – im Leben und ihm Sterben - für ihn selbst und für alle Menschen.
Er will Gott begegnen, er möchte mit Gott in Berührung kommen!
Spüren wir, dass Simeon auf etwas ganz Tiefes und Wichtiges in seinen Leben wartet?
Gebe ich mich mit weniger zufrieden, um mein Leben auszufüllen?
Auf mich wartet Prüfungen des Lebens, meistens kommen sie gesammelt und völlig unerwartet.
Wenn mein Lebenswerk wie ein Kartenhaus zusammen bricht, wenn ich im Sterben liege – was hat dann Bestand? Was tröstet mich dann?
Worauf kann ich mich in dieser Stunde der Not verlassen?
Was verleiht meinem Leben tiefe Zufriedenheit, so dass ich beten könnte: Nun kann ich in Frieden sterben…?
Simeons Lebenstraum ist nicht eine Weltreise.
Simeon wollte nicht berühmt werden oder reich.
Simeon sieht seine Zukunft nicht in einem Nachkommen.
Simeon wartet nicht auf seine eigene Kraft und seinen eigenen Erfolg.
Er erwartet Trost - für sich selbst – und für alle Menschen von einem Anderen.
Er will den sehen, der eine Hoffnung und Zukunft nach dem Tod ermöglichen soll. Er will Gott sehen.
Als Menschen sehen wir oft nur unseren Wünsche und alles, was vor Augen ist.
Um zu sehen, was uns zufrieden machen kann, brauchst wir andere Augen, einen anderen Geist, einen Geist von Gott, den heiligen Geist.
Was Simeon zu Sehen bekommt, ist so unglaublich, das der Apostel Lukas es gleich dreimal beschreibt, dass der Heilige Geist dazwischen ist:
(a) Simeon war vom Geist Gottes erfüllt. V.25
(b) Durch den Geist Gottes wusste Simeon, dass er nicht stirbt, bevor er nicht den Messias gesehen hat.V26 (c) Und wegen der Eingebung des Heiligen Geistes geht Simeon in den Tempel, an dem Tag als das Kind in den Tempel gebracht wird.V27
Eine geistvolle Geschichte. Was hier geschieht, möchte Lukas nicht ohne Gottes Wirken und Handeln erklären.
Den Trost findet man nicht von alleine.

Die Begegnung

Im Tempel begegnen sich die Generationen:
der Greis und das Kind, der alte Mann und das Kind, so zart und winzig. So klein. So angewiesen. So hilflos. Und auch die biblischen Erzählungen behaupten nicht, dass Jesus als Kind ungewöhnlich war.
Und auch die Eltern von Jesus machen nichts ungewöhnliches mit ihrem Kind. Nach 40 Tagen geht die Mutter, wie alle jüdischen Mütter, zum Tempel, um sich zu reinigen und ein Opfer im Tempel bringen, zwei Tauben, wie es für arme Leute vorgesehen war.
Kein Mensch hat die Möglichkeiten, in diesem Kind zu entdecken, was in ihm verborgen ist.
Bis heute gibt es keine Brille oder andere Hilfsmittel dafür, das Kind in der Krippe zu sehen und zu erkennen, dass es Gottes Sohn ist.
Bis heute ist es für viele Menschen in dieser Welt schwierig zu verstehen, was wir Christen zu Weihnachten in unseren Gottesdiensten in den Kirchen eigentlich feiern.
Viele feiern Weihnachten auch ohne Jesus, weil es so schön ist, die Lichter, die Stimmung, einfach weil es ein wenig vertrösten kann von den Alltagssorgen.
Wer erleben möchte, was Christen Weihnachten feiern, braucht neue Augen, einen neuen Sinn, sonst kann man den Trost der Welt nicht sehen.
Simeon nimmt das Kind in den Arm .
Ein Kind in den Armen eines alten Mannes. Aber damit nicht genug: Der Sohn Gottes in den Armen eines Greises.
Und wenn jemand einen Kind im Arm hält, lässt er sich anstecken von diesem Anblick und strahlt im ganzen Gesicht, sein Gesicht ist quasi erleuchtet, aufgehellt. Und Simeon betet: „Herr, nun kann ich in Frieden sterben; denn du hast dein Versprechen eingelöst! Mit eigenen Augen habe ich es gesehen: Du hast dein rettendes Werk begonnen, und alle Welt wird es erfahren. Allen Völkern sendest du das Licht, und dein Volk Israel bringst du zu Ehren.“
Simeon betet zu Gott und weiß:
Jetzt bin ich am Ziel meines Lebens angekommen.
Meine Augen haben den Trost gesehen.
Simeon betet: „Nun entlässt du mich…“, man könnte auch sagen: „Nun lässt du mich gehen“ oder „nun verabschiedest du mich…“ deinen Knecht.
Simeon wollte in Frieden sterben können.
Er findet seinen Lebensfrieden, weil er Gott entdeckt, weil er Gott in den Kind erkennt, weil er Jesus begegnet, in seinen Armen.

Gott hat sich in seinen Sohn Jesus Christus in die Arme der Menschen gelegt.
Nur deshalb können wir in Gottes Arme fliehen.
Nur weil Gott sich klein gemacht hat, können wir wie ein Kind zu Gott fliehen – die Arme ausbreiten und Gott in die Arme fallen.
Weil Gott sich in Jesus Christus in die Arme der Menschen gelegt hat, weil er Mensch wurde.

Als Menschen sind wir aus Fleisch und Blut und Knochen. Das macht uns vergänglich und verletzlich.
Das macht uns abhängig.
Gott wird oft menschlich beschrieben.
Aber im ganzen Alten Testament, in dem Simeon belesen war, hat Gott kein Fleisch und keine Knochen. „Alles Fleisch“, das sind alle Menschen.
Gott hat kein Fleisch, denn Fleisch steht dafür, dass wir vergänglich sind, das unser Leben Staub ist und eine Blume, die verwelkt.
Wir brauchen Trost, weil wir Abschied nehmen müssen von anderen, die vergehen.
Und bevor Simeon stirbt, erkennt er Gott in einem Menschen! Gott ist Mensch geworden.
Dieses Kind ist der Sohn Gottes.
Und Simeon ist einer der ersten Zeugen dafür, dass dieses Kind für alle Menschen Bedeutung hat, für alle Völker, und dass dieses Kind zum Licht wird, dass das Dunlel dieser Welt hell machen will.
Es ist das Kind, dass später von sich sagen wird:
„Ich bin das Licht der Welt.
Darauf lohnt es sich zu warten!
Dass wir mit Jesus Christus in Berührung kommen!
Seine Eltern wunderten sich, sie staunten, was sie da hörten.
Vielleicht haben es auch wir schon viele Mitmenschen versucht zu erklären, warum es Advent und Weihnachten gibt.
Wer sich über Christi Geburt nur einmal im Leben wundern kann, hat das Staunen verlernt.
Ich muss sagen, wenn ich das Ereignis nachdenke, staune ich darüber.
Gott lässt sich in die Arme der Menschen legen - das bleibt für mich sehr erstaunlich.
Durch Simeon stelle ich mir die Frage, worauf es sich lohnt zu warten.
Worauf lohnt es sich, mein Leben auszurichten?

Das Verändern

Es ist Gott als Mensch, Gott hautnah!
Was Simeon erfährt, ist ganz erstaunlich.
Er hat nur den Anfang seiner Hoffnung gesehen, das Licht am Ende des Tunnels.
Er hielt das Kind in den Armen und erkannte den Tröster und Retter der Welt.
Manche werden schon durch einen hoffnungsvollen Anfang getröstet.
Andere tröstet es, dass dieses Kind zu einem geworden ist, der alle Trostlosigkeit des Lebens selbst durchlitten hat für mich, für einen jeden von uns:
verraten von einem seiner engsten Freunde,
verlassen von seinem engen Freundeskreis,
unschuldig angeklagt, zu Unrecht verhöhnt, bis heute verkannt und verachtet
Und dass aus dem Kind der gekreuzigte Sohn Gottes auf Golgatha wurde, der spricht: Es ist vollbracht!

Eine neue Zeit hat angefangen.
Kann das jeder heute Abend so beten?
„ Es ist vollbracht“
Das gelingt nur, wenn wir Jesus in den Händen halten – vielmehr wenn Jesus uns persöhnlich hält in unseren Glauben und in der Gnade
Simeon bedeutet: Gott hat gehört.
Wie sehr wünsche ich uns, dass ein jeder von ähnliches erleben, dass Gott unsere Sehnsucht hört und dass wir sehen können, dass Gott da ist, um uns zu trösten.
Gott kennt uns..
Und er bietet uns ein Geschenk der Gnade im Glauben durch seine Vergebung an, getragen von der Tat am Kreuz auf Golgatha.
Viele unser Wünsche und Hoffnungen werden sich darin erfüllen, wenn wir mit Jesus in Berührung kommen und durch ihn unser Leben bestimmen lassen.
Und alle Wünsche, die noch unerfüllt sind,werden erfüllt, wenn wir für immer mit Gott zusammen leben – in der Ewigkeit.
Wenn Jesus unser Trost ist – im Leben und im Sterben.

Amen

Das gesprochene Wort gilt!

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