Prediger Jens Winkler in der Kirche Guttau/Malschwitz

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Hebr 11, 8-10 Predigtgottesdienst in Malschwitz/ Quatitz zu Reminiscere

Filed under:Allgemein, Predigten, Archiv — Jens am 17.02.2008 gg. 09:09

Predigtgottesdienst Malschwitz/Quatitz
Hebr. 11, 8-10

Wenn man in den letzten Herbsttagen und an einen Wintertag im Wald als Spaziergänger oder als Jäger unterwegs ist, kommt es fast bei jeden Wetter auf die richtige Kleidung und ganz besonders auf das richtige Schuhwerk an. Gerade wenn ein Schmuddelwetter mit nass und kalt oder gar frostiges Wetter herrscht.
Schnee, Frost und Eis halten dann unser Heimat fest im Griff hatten und es ist draußen auf den Wegen und Straßen gefährlich glatt .
Die Glätte macht unsicher.
Die Tritte unserer Füße finden keinen festen Halt mehr.
Und auch wenn es taut, ist es rutschig und naß und es gibt manchen Weg im Wald und auf den Feldern, der fast unpassierbar wird.
Ohne besonderes Schuhwerk sollte man andere, befestigte Wege gehen.
Bei solchem Wetter geht sowieso nur hinaus, der etwas zu erledigen hat.
Warum erzähle ich diese Geschichten über das Wetter? Sie können als Vergleich dafür dienen, wie es uns auch im Lebensweg ergehen kann.
Es ist wohl ein verständlicher, menschlicher Wunsch, dass wir auch in unserem Leben festen Tritt fassen wollen.
Nach einer gewissen Zeit des Suchens und Findens in seinen Leben möchte man sich doch fest einrichten.
Ein richtiger Beruf und eine Arbeitsstelle gibt die Aussicht auf ein gesichertes Leben
Und eine gewisse Bequemlichkeit lässt dann nicht lange auf sich warten.
Wir sind nun einmal so, dass wir uns gerne bequem und sicher einrichten. Es gibt auf unseren Lebensweg Situationen, wo wir uns bildlich gesprochen aufs Glatteis begeben.
Das sommerliche Hoch eines Lebens kann plötzlich von rauhen Herbststürmen abgelöst werden.
Krankheit, Unfall, Arbeitslosigkeit, Trennung und ein Todesfall in der Familie kann uns unverhofft aus der Bahn werfen. Dann wenn das Kartenhaus des Lebens in sich zusammenfällt und die Probleme einen wie der Volksmund sagt „über den Kopf wachsen“
Wir sind dann gezwungen, neue Wege zu gehen.
Kein fester Boden findet sich mehr unter unseren Füßen.
Die Wege sind dann vielleicht rutschig und unbequem. Sorgen begleiten uns, und die Unsicherheit der Zukunft bereitet sogar schon jungen Menschen einiges Kopfzerbrechen.
Solche Situationen hat auch der Schreiber des Hebräerbriefes vor Augen.
In den Zeiten der Verfolgung sind sie aufgerieben worden, und der anfängliche Glaubenseifer hat bedenklich nachgelassen.
Überhaupt ist es der Glaube an Gott, um den sich die Gedanken des Briefschreibers drehen.

1.

Neben den Hohenlied der Liebe, die wir aus den Korintherbrief kennen, wird dieses Kapitel, indem unser Text, steht als das Hohelied des Glaubens bezeichnet.
„Das soll das Hohelied des Glaubens sein ? „, so wird sich mancher nach den Worten jetzt fragen
Diese drei Verse über das Leben des Abraham, das sich in den Anfängen der biblischen Geschichte, in ferner Vergangenheit verliert?
Von Abraham ist im Neuen Testament immer wieder die Rede Der christliche Glaube sieht in ihm den Vater des Glaubens überhaupt.
Unser Gott - das ist der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs, so wie es auch der Gott Jesu war.
Was also findet das Neue Testament besonderes in diesen Berichten über Abraham?
Warum hat man sie immer wieder gelesen und sogar ins Neue Testament hinüber genommen, wie z.B. Paulus es in seinen Briefen tat und hier der Hebräerbrief?
Was können in dieser alten Überlieferung heute entdecken?
Die Antwort:
Aus dieser Vergangenheit strahlt die Gestalt Abrahams, weil er in seinem Glauben an Gott weit über sich hinaus weist: in die Zukunft, in die wir gehören, und die auch noch unsere eigene Zukunft ist.
Die Christen aller Zeiten fanden Antworten in den heiligen Schriften des alten Bundes, und sie fanden in einzigartiger Weise in der Abrahamsgeschichte: Hinweise die Zukunft.
Das gilt es zu entdecken.

Abraham, vernimmt das Wort seines Gottes, er hört eine Verheißung und macht sich auf den Weg..
Der Aufbruch Abrahams, von jener unverwechselbaren Stimme geleitet, er war also nicht Abenteuerlust, Unbeständigkeit oder Bodenlosigkeit, nicht Wagemut, Abwechslungsdrang, Neugierde und auch nicht einfach kräftiger Lebensmut.
Es ist einer der neuen Wege, die auch wir als Menschen im Glauben beschreiten.
Abraham ist der Vater des Glaubens, nicht ein Held
Wir sitzen ja ruhig in der Kirchenbank und hören zu, aber es geht doch bei uns zm wichtige Sachen, bei Abraham und für uns - um Gott,
a. Es geht um Abrahams Verhältnis zum Leben, dessen Wechselhaftigkeit er überholt,
b. Es geht um Abrahams Verhältnis zu sich selber, weil er sich als offenen Prozess erfährt,
c. und es geht in beidem um Abrahams Verhältnis zu Gott, dem Gott, der ihn aus seinen alten Wegen herausholt.
Davon ist jetzt zu reden.
2.

Das Hohelied des Glaubens im Hebräerbrief fängt mit einer Definition dessen, was Glaube ist, an, die im Neuen Testament einzigartig ist.
Der 1. Vers lautet: “Es ist aber der Glaube eine gewisse Zuversicht dessen, was man hofft, und ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht”.
Dieser Satz kann uns die Augen öffnen über Abraham und seinen Glauben an Gott..
Wir fragen uns: wo haben denn wir unsere Zuversicht?
Den Schwerpunkt im Leben, das Mittelpunkt in diesem immer wieder schönen, aber oft auch schweren Leben, seinem Drängen und Ziehen?
Auf diesem Weg, der über alle Höhepunkte und Tiefen hinweg auf ein Ende zu treibt, indem das Leben vorbeigeht, oft wie unter den Händen zerrinnt, als Ganzes vergehen muss:
wo bleibt da ein fester Halt in dieser Flüchtigkeit, in diesem unaufhaltsamen Gefälle?
Nun also Abraham:
“Durch den Glauben wurde Abraham gehorsam, als er berufen wurde, in ein Land zu ziehen, das er erben sollte; und er zog aus und wusste nicht, wo er hinkäme”.
Gott spricht ihn an; Abraham widerfährt es, dass ein Wort Gottes ihn trifft und dass er dies Wort nicht mehr vergessen kann, es seinen Leben verändert.
Dies Wort erhellt das Dunkel des gelebten Augenblicks und zeigt ihn in eine Zukunftsperspektive, Abrahams Gegenwart wird zur Zukunft hin geöffnet.
Statt sich an den Augenblick, die dumpfe Gegenwart des Alltäglichen und Gewohnten zu klammern, sieht er das Licht einer Verheißung.
Sein Glaube, das ist nichts anderes, als dies Licht fest im Blick zu behalten, sich bedingungslos Gott zu überlassen, dem Wort, das er vernommen hat, allein zu vertrauen.
Abraham wusste nicht , wo er hinkommen würde.
Gott ruft ihn ins Offene.
“Glaube ist ein Erweis des Unsichtbaren” - so die Definition; die Unsichtbarkeit Gottes übersetzt im Glauben Abrahams in Hoffnung auf den Gott seiner Zukunft.
Dieser Weg Abrahams im Alten Testament, er ist zuerst ein Weg Abrahams aus sein alten Leben selber heraus,
Gott zieht ihn heraus aus sich, aus seiner Selbstgewißheit, aus seiner Selbstbestimmung und auch seiner Unbekümmertheit.
Damit wird Abraham im Glauben frei von sich selber.
Er braucht sich nicht an sein altes Ich zu klammern, er findet seine Lebensweg im rufenden Gott,
Er hat sie nicht hier und jetzt schon fertig, sondern hat sie vor sich, erwartet sein wahres Sein von der Zukunft Gottes.
So wie Gott unsichtbar ist, so ist auch unser wahres Ich noch nicht da, es ist unkenntlich, es liegt bei Gott.
Der Glaube erwartet unser wahres Sein erst noch, darum hält er sich an den Unsichtbaren.
Wer sagt: “Ich glaube”, , der sagt:
a ) Ich bin noch unterwegs,
b ) Ich will nicht fertig sein, nicht Gefangener meiner Selbstsüchte und der vermeidlichen Freiheit des Lebens in der Selbstbestimmung, sondern vor mir liegt ein Weg.
“Gott” - dies Wort führt Abraham und auch uns zu einen neuen Weg, ist selber eine Verheißung.
Wir spüren und erkennen es wie Abraham .
Gott zieht mich auf meinen Lebensweg , dessen Ziel er allein kennt,dessen Ziel er selber ist, der unsichtbare, zu mir redende Gott.
Abraham wagt, sich selber zu verlassen, um sich restlos auf Gott zu verlassen.
Glaube heißt im tieferen Sinn umzukehren und aufzubrechen.
An Abraham kann man sehen:
Glauben, das bedeutet nicht an vermeitliche Wahrheiten, Lehren zu glauben, sondern auf Gott selber geworfen zu sein.
Der Glaube Abrahams bestand nur darin, Gott am Werk zu spüren, ihn in einem Wort zu erspüren - und zwar als einen Gott, der ihn persönlich meinte, genau mit ihm, diesem bestimmten Menschen, etwas vor hatte.
Wer so glaubt wie Abraham, der weiß auch: es ist eine falsche Alternative und der verkehrte Weg zwischen Glaube und persönlicher Freiheit in der Selbstbestimmung, zwischen auf Gott zu hören oder sein Leben selbst in die Hand zu nehmen.
Dies sollen wir in gewissem Sinne durchaus tun, aber entscheidend ist, aus welcher Hand und auf welchen Grund wir unser Leben entgegennehmen und in welchen Händen wir in unser Leben geborgen sind.

3.

Wer so aufbricht wie Abraham, der ist hier in dieser Welt im letzten Sinne und Erkenntnis nicht zuhause.
Durch den Glauben ist er ein Fremdling gewesen in dem verheißenen Lande wie in einem fremden und wohnte in Zelten mit Isaak und Jakob, den Miterben derselben Verheißung”. (Vers 9)
Das ist nun fast das Schwierigste an Abraham und seinem Glauben: er bleibt auch im verheißenen Lande wie ein Fremdling (11, 13), er erreicht ein Ziel und doch setzt er sich darin nicht fest, dieser Nomade des unsichtbaren Gottes.
Seine Zelte sind kein festes Zuhause, er besitzt, was ihm zufällt,
Was er ist und hat, ist Zwischenstation auf seinem Wege, er ist eben der “Erbe der Verheißung” (6, 12).
Daher weiß er im Tiefsten, und darin besteht eigentlich sein Glaube:
“Wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir” - so heißt es später unvergesslich im Hebräerbrief (13, 14).
Während Jahrhunderte später das Volk Israel sich im verheißenen Land endgültig niederließ und es schließlich wieder verliert und es bis zum heutigen Tag nur umstritten und umkämpft behaupten kann, ist Abraham “allem Abschied voran” , dieser Wanderer zwischen zwei Welten, zwischen den Zeiten, der Vater des Glaubens.
Keine bleibende Stätte hier und keine Endstation der Sehnsucht, sondern unterwegs - im Glauben Gott.
Wer auf den Weg des Glaubens unterwegs ist weiß wie schwer das ist, diesen Widerspruch zwischen Schon und Noch nicht auszuhalten, wie schwer dem Unsichtbaren, dem Wort der Verheißung treu zu bleiben - im Sichtbaren und greifbar Gegenwärtigen.
Solcher Glaube sagt immer: “Ich glaube, hilf meinem Unglauben” (Mk 9, 24).
Abraham glaubt, von Gott allein gehalten.
Genauso hat Paulus im Römerbrief Abraham verstanden und kommentiert: Glauben, “auf Hoffnung - gegen alle Hoffnung” (Röm 4, 18).

4.

Und genau weil für den Glauben gilt: “Wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir” (13, 14), darum heißt es endlich von Abraham:
Denn er wartete auf die Stadt, die einen festen Grund hat, deren Baumeister und Schöpfer Gott ist”. (Vers 10)
“Die Stadt, die einen festen Grund hat” - Abraham, der Glaube - er will nicht auf Sand bauen (Mt 7, 26), sondern ihn treibt die Suche nach einem Absoluten, eine unstillbare Erwartung, die Sehnsucht nach dem Endgültigen.
Im Hauch des Wortes der Verheißung kündigt sich das wahre Sein an.
Wer einmal Gott in seine Leben gespürt hat, der kann nicht zur Ruhe kommen, der muss fragen:
Was will Gott mit mir vor?
Denn überhaupt “Gott” sagen, heißt, dass noch nicht alles aufgeht, dass das Entscheidende noch offen ist, noch aussteht. .
Der Name Gottes hält unser Leben und unseren Lebensweg offen.
Darum fragt der Glaube: was hat Gott mit mir vor?
Die feste Stadt, die Gott dem Glaubenden bereitet hat und bereit hält , das ist er selber, der kommende Gott, “ein feste Burg”.
Darum hält der Glaubende sich an den Unsichtbaren, als sähe er ihn . Dieser Glaube weiß zutiefst:
“Es ist noch eine Ruhe vorhanden für das Volk Gottes” (4, 9) .
Weil das mit unseren Glaubensweg in dieser Welt nicht so einfach ist, darum gibt es den Glauben und die Gemeinschaft der Glaubenden, die Gemeinde derer, die auf dem Weg sind.
Unser christlicher Glaube hält sich an Jesus, den Sohn Gottes , der uns den Weg durch seinen Tod am Kreuz auf Golgatha erkauft hat.
Nun ist Christus selber für uns zum lebendigen Weg geworden Darum hält der Glaube sich an ihn, der da sagt:
Ich bin der Weg” (Joh 14, 6),
Ich bin die Tür” (Joh 10, 9) und
Siehe, ich habe vor dich gegeben eine offene Tür, und niemand kann sie zuschließen”
Gerade jetzt in der Passionszeit sollten wir über unser Leben und seinen Sinn nachdenken und unsern Stand erkennen, indem wir ein jeder Einzelne stehen.
Gott schenke uns diesen Glauben: das Erkennen der offenen Tür zu ihn, zum Vaterhaus.

Amen

Das gesprochene Wort gilt!

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