Prediger Jens Winkler in der Kirche Guttau/Malschwitz

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Quasimodogeniti Jesaja 40, 26-31 Quatitz

Filed under:Allgemein, Predigten, Archiv — Jens am 30.03.2008 gg. 07:52

Prediggottesdienst Quatitz Jesaja 40, 26-31

Gute Worte in schwieriger Lebenssituation wirken oft Wunder an uns.
Als Menschen haben wir das schon oft erfahren.
Das sind Problem, die uns über den Kopf wachsen und uns am Abend im Bett nicht einschlafen lassen, weil man meint, keine Lösung für sie zu finden.
Gute, aufmunternde und tröstende Worte bedürfen wir .
Sie können uns helfen , uns aufrichten und wieder neue Kraft und Zuversicht schenken und wir können wieder weiter machen, wo wir dachten, es ginge nicht mehr.

Gute Worte sprechen auch aus dieser Text des Propheten Jesaja zu uns.
Es sind wunderbare Worte, voller Trost, Ermunterung und Ermutigung.
Man fühlt sich von ihnen voll verstanden, sprechen sie doch gerade unsere Erfahrungen, unsere Müdigkeit und Kraftlosigkeit und unsere Zweifel an, die für viele von uns zum Lebensbegleiter geworden sind und uns im Lebens oft nicht mehr froh werden lassen.
Es ist nicht jene wohltuende Müdigkeit, die wir nach einem anstrengenden Arbeitstag empfinden, die uns auf die Ruhe der Nacht und das Bett freuen lässt.
Es ist jene Müdigkeit, gegen die kein Ausruhen, keine Abwechslung und kein Entspannen hilft, eine Verzagtheit, Kraft- und Hoffnungslosigkeit, die den eigenen Lebensmut raubt, die resignieren und an Gott zweifeln, wenn nicht sogar verzweifeln lässt.
Gerade im Blick darauf sagen diese großartigen Worte das Neuwerden aus Gottes Kraft zu.

I. Angefochten durch Erfahrungen

Adressat dieser Botschaft ist das Volk Israel. Es bedarf dieses großen Trostes und Zuspruchs, denn es befindet sich bereits über zwei Generationen in der babylonischen Gefangenschaft, weit weg vom Heimat und den Tempel.
Täglich erlebt viel unsägliches Leiden und Elend, Unrecht und Ungerechtigkeit eine solche Verschleppung in ein fernes Land und ein Leben unter einer fremden Herrschaft mit sich bringt.
Die Israeliten sind der Willkür ihrer Herren schutzlos und rechtlos ausgeliefert.

Noch mehr leiden sie daran, dass sie heimatlos sind.
Heimat schenkt Geborgenheit und Sicherheit.
Man weiß, wohin man gehört. Man hat seine Familie und Freunde. nimmt Teil an Festen und Feiern und findet seine letzte Ruhe an der Seite der Väter dort.
Das alles ist den Volk Israel genommen worden.
Sie konnten auch in der Fremde ihren Glauben pflegen. Viele von denen, die die Heimat und diese religiösen Traditionen noch aus eigenem Erleben gekannt haben und selbst im Tempel angebetet und geopfert hatten, starben weg - und mit ihnen die unmittelbaren Erinnerungen daran.
Diese ältere Generation musste zusehen, wie die jüngere, bereits in der Fremde geborene Generation zunehmend weniger Verständnis für diese Traditionen und Glauben aufbrachte.
Dafür aber nahm ihr Interesse an Babylon, seinem gesellschaftlichen Leben und seinen Göttern zu.
Mit der Zeit mitgehen und selbst auch diesen Lauf mit zubestimmen - das ist besonders für die jungen Menschen damals und auch heute noch weitaus interessanter, als Altes zu bewahren.
Warum sich also hier in der Gefangenschaft gegenüber immer nur abkapseln und etwas anderes, Besseres zu sein beanspruchen!?
Je stärker diese Tendenzen wurden und je länger die Verbannung dauerte, ohne dass es eine Hoffnung auf eine baldige Heimkehr gab, umso aussichtsloser und also zukunftsloser musste den Israeliten ihre Lage erscheinen.

Rechtlos, heimatlos und zukunftslos zu sein - kann es Härteres geben?!
Was diese Verbannten wohl aber am meisten bedrängte, war etwas anderes: das vermeintliche Schweigen Gottes.
Hatte er sie ihren Feinden ganz in die Hand gegeben? Bedeutete ihre Wegzug aus der Heimat auch die Verbannung aus seiner Nähe?
Warum verschloss Gott die Augen vor dem Unrecht, das sie in der Fremde erleiden mussten?
Waren nicht nur Gottes Augen und sein Mund, sondern auch seine Hand und sogar sein Herz verschlossen? Waren sie nun auch noch Gott-los?
Fragen, in denen sich die Angefochtenheit der Israeliten durch ihre Gegenwartserfahrungen ausdrückte, ihre Verzagtheit und Resignation und im Besonderen ihre Glaubensmüdigkeit.
Hatte es überhaupt noch Sinn, an den Gott ihrer Väter Abraham, Isaak und Jakob zu glauben und ihm zu vertrauen?
Verzagtheit, Angst, Resignation und Müdigkeit, besonders aber Glaubensmüdigkeit - kennen wir das nicht auch an uns selbst?
Sind wir nicht auch angefochten durch die Lebenserfahrungen, die wir machen müssen, als Gemeinschaft wie auch als einzelner.
Sind nicht auch wir bestimmten wirtschaftlichen und politischen Zwängen ausgesetzt, mit denen Unrecht und Ungerechtigkeit einhergehen, denen gegenüber wir als Einzelne machtlos sind.
Es ist der Zeitgeist, dessen Herrschaft man sich beugt und dem man Überzeugungen und Werte opfert.
Neue Götter und Götzen sind auf dem Plan und fordern ihre Opfer: Rationalisierung und Globalisierung heißen sie.
Der Glaube an den lebendigen Gott tritt immer mehr zurück und verliert immer mehr an Bedeutung.
Viele Menschen unserer Heimat wissen nicht mehr, was Glaube und z.b. Ostern und das Osterfest bedeutet.
Und dieses ist unser wichtigstes kirchliches Fest! Stattdessen erstarken Aberglaube und fernöstliche Mythen und schlagen die Menschen, hauptsächlich jüngere, in ihren Bann.
Aber auch ganz persönlich müssen wir Erfahrungen machen, die an unseren Kräften zehren und uns unserer eigene Machtlosigkeit bewusst werden lassen.
Es sind die stetigen Anforderungen und Herausforderungen, vor die wir uns gestellt sehen.
Es sind die beruflichen wie persönlichen Misserfolge, die Vergeblichkeit unserer Bemühungen:
unsere gescheiterte Beziehung, das Wegziehen der Kinder, arbeitslosigkeit, schwere Krankheit und alle anderen Schicksalsschläge, die uns mutlos und müde werden lassen.
Vor alledem scheint Gott die Augen zu verschließen, es geschehen zu lassen und zu schweigen.
Wir leiden an der offenbaren Gottlosigkeit der Gesellschaft und an der scheinbaren Machtlosigkeit Gottes auch in unserem persönlichen Leben.

II. Gottes Wirken

Diesen verzagten, resignierten und angefochtenen Menschen ruft der Prophet zu:
„Hebt eure Augen in die Höhe.“
Lasst eure Blicke nicht mehr nur auf dem Boden haften wie Menschen, die eine schwere Last auf ihrem Rücken zu tragen haben, und nichts anderes mehr wahrnehmen. Blickt auf!
Sehet das Himmelszelt mit seinen unzähligen, prachtvoll leuchtenden Sternen, die ihre Bahnen nach ewigen Gesetzen ziehenden .
Gott ist es, der sie alle geschaffen hat.
Er kennt sie alle einzeln, und ihm gehorchen sie alle, wie einem mächtigen Heeresführer und Gebieter.
Er ist der Herr Zebaoth, der Herr der himmlischen Heerscharen.
Dieses schöne, einprägsame Bild ist zugleich eine sehr deutliche Anspielung.
Für die Babylonier, wo ds Volk Israel in Gefangenschaft ist , waren die Gestirne die alles beherrschenden Götter, ihre eigentlichen Herren.
Von ihnen leiteten die Politiker ihre Macht ab.
Nun wird gesagt, dass diese Gestirne nichts anderes als Gottes Schöpfung sind und ihm gehorchen müssen. Deutlicher kann die Überlegenheit Gottes über die babylonischen Gottheiten kaum ausgedrückt werden, denen sich viele Israeliten zu wenden.
Zugleich wird den Israeliten in Erinnerung gerufen, was sie anscheinend aber in aller Angefochtenheit vergessen haben.
Gott, der auch die ganze Erde mit allem, was es darauf gibt, geschaffen hat, hat mit Israel gewirkt.
Er hat es mit starker Hand aus der ägyptischen Sklaverei in die Freiheit geführt, es immer wieder aus der Hand seiner mächtigen Feinde befreit und ihm Lebensraum und Zukunft geschenkt.
In seiner Macht über Raum und Zeit ist Gott unermesslich und unergründlich, hoch erhaben über alle menschlichen Vorstellungen und alles menschliche Verstehen.
Angesichts ihrer Gegenwartserfahrungen ist die Klage der Israeliten über Gottes scheinbare Abwesenheit und Machtlosigkeit zu verstehen.
Sie werden deswegen auf dieses machtvolle Wirken Gottes gewiesen.
Wenn er der Schöpfer Himmels und der Erde idt und seine Macht unermesslich und ohne Ende , dürfen die Israeliten darauf vertrauen, dass er die Kraft hat, auch ihnen zu helfen sein machtvolles Wirken auch an sich erfahren zu lassen.
Sind diese ermunternden und tröstlichen Worte nur den Israeliten gesagt?
Auch wir sind doch durch unsere Erfahrungen angefochten und zweifeln oft an Gottes Anwesenheit und Macht.
Inwieweit dürfen wir diese Prophetenworte auch auf uns beziehen, die wir hier und heute leben?
Inwieweit sind auch wir in unserer Glaubensmüdigkeit und Resignation angesprochen?
Wir glauben an denselben Gott wie die Israeliten.
Er ist auch unser Herr, in seinen Absichten und seinem Handeln.
Auch wir sind auf die wunderbaren Werke seiner Schöpfung hingewiesen, in denen wir ihn als den Mächtigen und Unergründlichen erkennen dürfen.
Seine Kraft wird in diesem seinem Schöpfungshandeln offenbar.
Auch wir werden daran erinnert, dass wir Gottes Kraft und machtvolles Wirken in unserem persönlichen Leben und Glauben, wie auch in der Geschichte unseres Volkes und unserer Kirche auf vielfältige Weise erfahren durften.
Gott hat uns immer wieder Zukunft, Kraft und Zuversicht geschenkt, neue Wege und Lebensräume eröffnet hat, auf das wir gestärkt und getröstet weiter machen konnten.
Jedoch wird das weit überboten durch den größten Erweis von Gottes unvergänglicher Macht und Kraft.
Es ist die Auferweckung Jesu Christi von den Toten! Durch ihn sind Vergänglichkeit und Tod, die mit der bisherigen Lauf des Lebens bestimmt haben, überwunden - und das endgültig.
Mit Jesus hat die neue Schöpfung angefangen, in der es keinen Tod, keine Trauer, keinen Tränen und kein Leid mehr gibt, sondern Leben in neuer Kraft, Freude und Frieden. Hier ist die endgültige Macht Gottes offenbar geworden, der keine Grenzen gesetzt sind..

III. Gottes Zuwendung

Das alles klingt sehr tröstlich und überzeugend.
Doch was hat der einzelne Mensch, was haben die verbannten Israeliten, was haben wir persönlich als Glaubende von diesem allmächtigen Gott und diesem seinem großartigen Wirken?

Dieser Gott, der nicht müde noch matt wird und dessen Kräfte unerschöpflich sind, ist nicht nur allmächtige Schöpfer von Himmel und Erde und Herr über Raum und Zeit, wie das an seinem machtvollen Wirken erkannt wird.
Gott übt diese Macht nicht um seiner selbst willen aus. Er ist derjenige, der sich auch dem einzelnen glaubenden Menschen in seiner persönlichen Not zuwendet.
Jeder einzelne Mensch ist ihm unsagbar wichtig.
Er gibt dem Müden neue Kraft und richtet den Erschöpften auf.
Menschliche Kraft kommt an ihre Grenzen.
Auch die jungen Menschen werden müde und straucheln im Leben. Im Gegensatz dazu ist die Kraft, die Gott dem Menschen schenkt, unerschöpflich.
Sie gibt ihm neuen Auftrieb, wie es das eindrückliche Bild in unseren Predigttext von dem seine Schwingen ausbreitenden, kraftvoll in die Lüfte sich erhebenden Adler zum Ausdruck bringt. Sie befähigt ihn zum Durchhalten und Überwinden.

Wer in solcher Weise Gottes Wirken an sich erfährt, fühlt sich von Grund seines Lebens auf erneuert.
Alle Müdigkeit und Verzagtheit ist gewichen, und wir können zuversichtlich der Zukunft entgegen gehen. Diese Zusage ist den Israeliten in ihrer Glaubensmüdigkeit und Resignation gegeben.
Sie ist allen Vertrauens wert, denn der machtvoll wirkende Gott steht selbst dahinter.

Diese Zusage ist auch uns gegeben.
Sie ist für uns bereits in Erfüllung gegangen.
Gott hat sich uns persönlich zugewendet in Jesus Christus. Seinen Sohn.
In seinem Wirken ist Gottes Kraft lebendig geworden.
Das Reich Gottes, die Gottesherrschaft, die in Jesu Wirken und in seiner Tat am Kreuz auf Golgatha angebrochen ist, ist das kraftvolle Wirken Gottes an jeden einzelnen Menschen zu seiner Rettung aus der Macht der Sünde und des Todes .
Seine Kraft ist gerade in den Schwachen und Kraftlosen mächtig, wie das viele Menschen in ihren Glauben erfahren konnten.
In Jesus Christus sind wir in das Kraftfeld des Wirkens Gottes hineingenommen und von ihm persönlich angenommen.
Das ist in unserer Taufe und in unseren Bekentnis des Glaubens geschehen.
Dadurch wird uns der Heilige Geist geschenkt, die Kraft, durch die Gott Jesus Christus von den Toten auferweckt und die ganze Schöpfung erneuert hat.
Es ist die in und durch Jesus Christus wirksame Kraft Gottes, die uns zu neuen Menschen macht, zu Menschen, die nicht mehr aus ihrer eigenen Kraft, sondern aus der Kraft des Heiligen Geistes leben und umkehren zu Gott.
Das heißt nun freilich nicht, dass wir als Christen keine Augenblicke der Schwachheit, der Mutlosigkeit und der Müdigkeit mehr erleben und in unserem Glauben nicht mehr angefochten würden.
Aber wir wissen um die Quelle der Kraft Gottes, die für uns nie versiegt.
Es wird uns in unseren Glauben an Gott zugesagt, dass uns aus unserer Verbundenheit mit Christus immer wieder neue Kräfte zuwachsen, durchzustehen und zu überwinden.

Amen

Das gesprochene Wort gilt!

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