Prediger Jens Winkler in der Kirche Guttau/Malschwitz

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Der Beginn der Kirche Apg 6, 1-7 13. So. n.Trint. Kleinsaubernitz/Guttau

Filed under:Allgemein, Predigten, Archiv — Jens am 17.08.2008 gg. 06:46

Predigtgottesdienst zu Apg 6,1-7 in Kleinsaubernitz und Guttau

In den letzten Tagen habe mich die Nachrichten und die Bilder im Fernsehen und in den Zeitungen über den Krieg in Georgien sehr beschäftigt.
Bomben fallen von Flugzeugen, Panzer zerstören Häuser und Menschen werden getötet.
Für uns alle hier ist das oft unverständlich, welchen Grund es zu solchen Handlungen dazu gibt.
Für viele Menschen ist der Krieg im Kaukasus sehr weit weg
Viele meinen , dass es mit uns hier in Deutschland nichts zu tun hat.
Trotzdem gibt es eine Verbindung aus unseren Predigttext, denn da heißt es in den ersten Vers:
„In diesen Zeiten, als die Zahl der Jünger zunahm…“
Wie mag die Kirche/Gemeinde einmal angefangen haben?
Und hier entsteht eine Verbindung zu diesen Geschehen dort im Kaukasus.
Die georgische Kirche ist eine der ältesten Kirchen von ihrer Entstehung her mit. Gemeinde Gottes ist dort schon im 3. Jh. entstanden.
Es sind Menschen, die wie wir hier im Glauben an Gott den Schöpfer stehen, seit Jesus am Kreuz auf Golgatha für unsere Schuld und Sünde gestorben ist.
Und damit sind wir wieder bei der Frage:
„Wie hat Gemeinde einmal angefangen ?“
Wer hat diese Frage nicht schon einmal sich in seinen Leben gestellt und hätte nicht gern eine Antwort darauf, wie Gottes Gemeinde am Anfang war, um neue Kraft und Wege für unsere Gemeinde hier zu nehmen.
Viele Menschen, nicht nur die “Kirchenfremden” und nichtaktiven Gemeindeglieder stoßen sich heutzutage an der Kirche, weil sie ihnen zu weit weg von ihren Ursprung erscheint, und sehnen sich nach einer lebendigen Gemeinde wie bei den Urchristen.
Es ist gut, sich auf die Anfänge zu besinnen, auf die ersten persönlichen Begegnungen mit der Kirche ebenso wie auf ihre geschichtlichen Ursprünge.
Wie ging es und geht es uns mit der Kirche, der wir heute angehören?
Nehmen wir uns jetzt - jeder und jede für sich persönlich - ein wenig Zeit, darüber nachzudenken!

Die Gemeinde

Wie stellen wir uns eine solche Gemeinde vor?
Muss es damals in den Anfängen nicht schön und friedlich, harmonisch und ohne Konflikte zugegangen sein - ganz im Unterschied zu unseren heutigen Gemeinden, die den biblischen Vorstellungen scheinbar so wenig zu entsprechen scheinen, das sich deshalb Menschen abwenden?
Wenn wir uns heute einmal bei Christen umschauen, sehen wir Unstimmigkeiten in den Gläubigen.
Hier sind sich die Gemeinschaften nicht einig, dort gibt es Querelen zwischen einzelnen Gruppen z.B. Junge und Alte in der Gemeinde oder Streit um die Verkündigung und Gestaltung des Gemeindelebens.
Wollen wir diese Konflikte überhaupt wahrhaben?
Kehren wir sie nicht lieber unter den Teppich, weil wir “ein Herz und eine Seele” sein müssen?
Wie war es damals? -
Unser Predigttext gibt uns keineswegs Anlass, die Anfänge der Gemeinde als positives Beispiel zu sehen.
In unseren Predigttext lesen wir von Menschen, die in ihrer Gemeinde zusammenlebten und denen Schwierigkeiten durchaus nicht fremd waren.
Es gab dort “griechische” und “hebräische” Juden, die Christen wurden und sich versammelten.
Unter ihnen kam es zu jenem Konflikt, den Lukas mit den wenigen Worten schildert:
“In diesen Tagen aber, als die Zahl der Jünger zunahm, erhob sich ein Murren unter den griechischen Juden in der Gemeinde gegen die hebräischen, weil ihre Witwen übersehen wurden bei der täglichen Versorgung” (Apostelgeschichte 6, 1).
Die griechischen Juden waren im Unterschied zu den hebräischen nicht in Israel geboren.
Sie wollten im Alter in Jerusalem wohnen, um einmal in der Nähe der Heiligen Stadt zu sterben und dort ihr Grab zu bekommen.
Viele Frauen überlebten ihre Männer damals wie auch oft heute. Witwen gehörten damals zu den Ärmsten, weil sie sozial nicht abgesichert und darum ganz auf Unterstützung angewiesen waren.
Die einheimischen Witwen schienen gut versorgt zu sein, die Zugezogenen hatten keine Verwandten am Ort, die für sie sorgten, wie es üblich war, und wurden übersehen.
Scheinbar wurden sie sogar absichtlich übersehen und zurückgesetzt, um sie spüren zu lassen, dass sie den Israeliten aufgrund ihrer Herkunft und ihres heidnischen Einflusses doch nicht ganz ebenbürtig waren.
Eine schwierige Erfahrung, sich übersehen, übergangen oder vernachlässigt zu fühlen.
Wir können das heute in manchen schwierigen Lebenssituationen wie Tod oder Trennung des Partners ein Stück nachempfinden.
Je größer die Not, um so empfindlicher trifft es uns, wenn jemand achtlos an uns vorübergeht.
Ein Sprichwort unserer Heimat lautet „In der Stunde der Not lernt man seine Freunde kennen“ Manche lernt man sie überhaupt nicht mehr kennen, da sie schneller weg gelaufen sind, als man sie begrüßen konnte.
Gründe für das damalige Handel in dieser Gemeinde gibt es sicherlich einige.
Da können heute wie damals unterschiedliche Sprachen und verschiedene nationale Herkunft eine Rolle spielen.
Dort sind es Streitigkeiten, der Umgang mit Traditionen, Meinungsverschiedenheiten, die Spannungen verursachen und zur Missachtung des anderen Menschen oder einer fremden Gruppe führen. Menschlich können wir darauf mit Resignation, Verbitterung, Klagen und zorniger Auflehnung reagieren, aber dabei auch leicht ungerecht und maßlos werden.
Lukas berichtet: die griechischen, aus der Diaspora kommenden Juden fanden sich mit ihrer Situation nicht ab. Sie begehrten gegen die einheimischen Gemeindeglieder auf.
Sie verlangten Gerechtigkeit und Gemeinschaftssinn. Sie wollten nicht außerhalb der Gemeinde stehen.
Sie machten auf sich aufmerksam, indem sie laut darauf aufmerksam machten
Wie reagierten die Apostel darauf : “Da riefen die Zwölf die Menge der Jünger zusammen und sprachen: Es ist nicht recht, dass wir für die Mahlzeiten sorgen und darüber das Wort Gottes vernachlässigen.” (Vers 2)

Die Aufgabenverteilung

Die neue Gemeinde stand vor neuen Aufgaben: die Ärmsten durften bei den Mahlzeiten nicht zu kurz kommen, schon gar nicht übersehen werden. Die Zwölf - gemeint sind die zwölf Apostel – erkannten die Notwendigkeit des Handelns .
Die Organisation des “Tischdienstes”, der “Diakonie”, stand jetzt an.
Dem “Dienst des Wortes”, der Verkündigung des Evangeliums, durfte etwas Entscheidendes nicht fehlen. Denn zum Wort Gottes gehört “das Brot der Liebe”.
Der bekannte Ausspruch “Der Mensch lebt nicht vom Brot allein…” ist allerdings bis heute oft Missverständnis ausgesetzt, als könnte das Brot und die Hilfe zugunsten der Verkündigung und Verbreitung des Wortes Gottes vernachlässigt werden.
Was war zu tun?
Die Apostel versuchten damals, das Problem gemeinsam zu lösen und beriefen eine Gemeindeversammlung ein.
Alle konnten dort zu Wort kommen. Die Apostel unterbreiteten der Versammlung einen Vorschlag, um den unbefriedigenden Zustand zu beheben: “…seht euch um nach sieben Männern in eurer Mitte, die einen guten Ruf haben und voll Heiligen Geistes und Weisheit sind, die wir bestellen wollen zu diesem Dienst. Wir aber wollen ganz beim Gebet und beim Dienst des Wortes bleiben.” (Vers 3)

Die Apostel empfahlen der Versammlung, sich für die Armenpflege - heute sprechen wir umfassender von der “Diakonie” - nach geeigneten Personen umzusehen und diese zu wählen.
Dabei legten sie ihre eigene Auffassung vor.
Sie sprachen dafür aus, wo sie selbst ihren Platz und ihre Aufgabe in der Gemeinde sahen: beim Gebet und bei der Predigt des Wortes Gottes.
“Und die Rede gefiel der ganzen Menge gut; und sie wählten Stephanus, einen Mann voll Glaubens und Heiligen Geistes, und Philippus und Prochorus und Nikanor und Timon und Parmenas und Nikolaus, den Judengenossen aus Antiochia. Diese Männer stellten sie vor die Apostel; die beteten und legten die Hände auf sie.” (Vers 5 + 6)
Mit der Möglichkeit zu wählen, halfen die Apostel der Gemeinde, sich zu entfalten und sich den vielfältigen Herausforderungen zu stellen.
Gewählt zu werden und dadurch Vertrauen entgegengebracht zu bekommen, ist eine Ehre.
Ein ehrenvolles Amt, ein Ehrenamt beginnt - verbunden mit einem unverwechselbaren Namen. Die Gewählten können bei ihrem Namen gerufen werden, sind ansprechbar. Sie ist notwendig für die Einigkeit der Gemeinde Jesu Christi.

Die Aussendung
Die Apostel beteten und legten die Hände auf die sieben Armenpfleger.
Mit diesem öffentlichen Segensritual brachte die Gemeinde zum Ausdruck: alle Aufgaben in der Gemeinde sind vor Gott gleichwertig.
Es gibt vor Gott keine “niederen” und “höheren” Dienste, wenn sie nur immer seinen Geschöpfen und der ganzen Schöpfung zugute kommen.
Das Wort Gottes predigen und sehen, was dem Nächsten fehlt - beides gehört zusammen. Wenn wir diese Aufgaben miteinander teilen, werden wir unseren Auftrag am Nächsten gerecht und niemand wird überlastet.
Wie geschäftig geht es zuweilen in unserer Gemeinden zu!
Oft ist man wegen Überlastungen so erschöpft, dass man sich dem einzelnen Menschen kaum noch zuwenden können, der unsere Hilfe braucht.
Das sind Konflikte, wie sie bestimmt auch in der Urgemeinde erlebt wurden.
Mit seiner Schilderung der Wirklichkeit der ersten christlichen Gemeinde zu Jerusalem und den Überlegungen, die Probleme zu lösen, ermutigt der Evangelist Lukas auch uns heute, bei Schwierigkeiten gemeinsam mit Herz und Verstand Lösungen zu suchen, die uns weiterbringen auf dem Weg des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe.
Aber auch mit diesen Schwierigkeiten wird die Gemeinde Gottes wachsen in der Liebe.
Dazu brauchen wir auch Geduld und Mut. Es fällt uns schwer, mit Konflikten zu leben und Schwierigkeiten gemeinsam anzugehen - ohne Ausgrenzung und in Freiheit für alle.
“Ein Herz und eine Seele” sind wir in der Gemeinde, wenn wir Konflikte ansprechen, Fehler eingestehen und gemeinsam nach Lösungen suchen, ohne einander besiegen zu wollen.
Die Liebe Gottes verbindet uns alle. Der Evangelist ruft uns heute wie damals die wesentlichen Merkmale der versammelten Gläubigen in der Gemeinde in Erinnerung:
a) das Hören auf das Wort Gottes,
b) der praktische Dienst der Nächstenliebe
c) die Pflege der Gemeinschaft.
Gottes Wort öffnet uns die Augen für den Menschen neben mir. In der offenen Begegnung mit dem Menschen, der anders ist, weitet sich mein Blickfeld.
“Und das Wort Gottes breitete sich aus, und die Zahl der Jünger wurde sehr groß in Jerusalem…” (Vers 7), heißt es am Schluss unseres Predigttextes.
Das Wort Gottes läuft seither unaufhaltsam durch die Welt. Die Mission unter den Menschen, von Jesus durch den Missionsbefehl im Math 28 für uns aufgegeben, wurde umgesetzt unter den Menschen und Völkern.
Christen werden jedoch bis heute schuldig, wo sie an der vielgestaltigen Not achtlos vorübergehen.
Immer noch stehen die Bilder des Elends und des Hungers vor unseren Augen, Bilder von Hass und Feindschaft.
Denken wir an die Bilder von Georgien, wie sie bei jeder Nachrichtensendung zu sehen sind..
Erkennen, was heute nötig ist zu tun - dazu sind wir täglich aufgerufen.
Das Gebet um die Kraft des Heiligen Geistes möchte uns dabei helfen, das Evangelium von Jesus Christus weiter zutragen - hörbar im gesprochenen oder gesungenen Wort der Verkündigung, spürbar in der Praxis der Diakonie und praktischen Hilfe, des gelebten Glaubens - und beides als das Brot der Liebe miteinander zu teilen.
Das Brot der Liebe weist auf Ihn, Jesus, der heute noch seine Gemeinde sammelt, wenn er spricht:
Ich bin das Brot des Lebens.
Um “lebendige Gemeinde” zu sein und der Botschaft Jesu zu entsprechen, müssen wir nicht ein Idealbild darstellen.
Wir dürfen vielmehr auf dem aufbauen, was - vorhanden ist.. Eine Gemeinschaft kommt ohne Organisationsformen nicht aus. Das lehren uns die Anfänge der Gemeinde, wie sie uns der Evangelist Lukas in seiner Apostelgeschichte schildert.
Wichtig ist: die Gaben und die Begabung jedes einzelnen Mitgliedes immer wieder neu zu entdecken, ihnen in der Gemeinde zur Entfaltung zu verhelfen und umzugehen.
Das allerwichtigste für jeden Einzelnen ist aber, dass wir auf den festen Grund stehen, der in Jesus Christus,den auferstandenen Sohn Gottes in die Welt gekommen ist, und hat für unsere Schuld und Sünde am Kreuz auf Golgatha bezahlt
Da werden unsere Werke der Liebe, diese Liebe Gottes, mit der er uns als seine Geschöpfe liebt, ausstrahlen und Menschen in Not werden dies in unseren Handeln im Leben spüren.
Gott segne unser Hören auf sein Wort und lasse uns unsere persönliche Aufgabe, unseren Platz in der Gemeinde finden, an dem wir in Liebe füreinander da sind.

Amen

Das gesprochene Wort gilt!

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